Ruf japanischer Industriekonzerne nach Skandalserie beschädigt

Tokio (APA/Reuters) - In Japan reißt die Serie an Skandalen mit gefälschten Produktdaten nicht ab. Nach Kobe Steel und Mitsubishi Materials ...

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Tokio (APA/Reuters) - In Japan reißt die Serie an Skandalen mit gefälschten Produktdaten nicht ab. Nach Kobe Steel und Mitsubishi Materials räumte am Dienstag der weltgrößte Hersteller von Karbonfaserstoffen, Toray Industries, jahrelange Fälschungen von Produktdaten bei einer Tochterfirma ein. Tricksereien habe es unter anderem bei Material für Reifen gegeben, das an 13 Kunden verkauft worden sei.

US-Flugzeugbauer Boeing, an den die Japaner Karbonfasern für Passagierjets liefern, sei aber nicht betroffen, betonte das Unternehmen. In erster Linie seien Kunden in Japan und mindestens einer in Südkorea mit dem Material beliefert worden. Sicherheitsprobleme seien nicht bekannt. Dennoch nimmt der Ruf japanischer Industriekonzerne - einst Inbegriff von Qualität und Innovation - immer größeren Schaden.

Gleich mehrere Skandale um falsche Angaben zu Produkten oder nachlässige Kontrollen erschüttern derzeit das Land. Zuletzt hatte eine Sparte von Mitsubishi Materials eingeräumt, Angaben zu ihren Produkten manipuliert und diese möglicherweise auch noch monatelang ausgeliefert zu haben, nachdem der Fehler entdeckt worden war. Der Autobauer Nissan musste mehr als 1,2 Millionen Fahrzeuge wegen unzulänglicher Sicherheitsüberprüfungen zurückrufen und auch Subaru räumte ein, sich bei Inspektionen nicht an die vorgeschriebenen Abläufe gehalten zu haben. Die Welle losgetreten hatte der japanische Stahlkonzern Kobe Steel, der über Jahre falsche Angaben zu Aluminium-, Kupfer- und Stahlprodukten gemacht hat. Zu seinen Kunden gehören Autokonzerne, die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie Rüstungsfirmen.

Japanischen Konzernen macht nicht nur seit Jahren der stagnierende Heimatmarkt zu schaffen, sondern auch die wachsende Konkurrenz durch Rivalen aus China oder Südkorea. Viele Firmen versuchen deshalb, die Kosten zu drücken und sparen etwa beim Personal für Sicherheitskontrollen. Gleichzeitig stellen sie immer mehr Zeitarbeiter oder Mitarbeiter mit befristeten Verträgen ein, die weniger gut ausgebildet sind. Das habe dazu geführt, dass die Standards gesunken und die Wahrscheinlichkeit von Fehlverhalten und Unfällen gestiegen sei, sagt Koji Morioka, Professor an der Kansai Universität. „Der Verlust von erfahrenen, geschulten Mitarbeitern in der Produktion erhöht das Risiko.“

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Toray legte die Tricksereien erst nach einem Beitrag im Internet offen. Die Tochterfirma Toray Hybrid Cord habe von den Problemen im Juli vergangenen Jahres erfahren und den Konzern im Oktober davon unterrichtet, erklärte Firmenchef Akihiro Nikkaku. „Es gab keine Verstöße gegen das Recht oder Sicherheitsprobleme; das ist nur zwischen uns und unseren Kunden und deshalb gab es auch keine Notwendigkeit, es offenzulegen“, rechtfertigte er sich. Die Äußerungen schüren Zweifel am Willen japanischer Konzerne, Tricksereien zu veröffentlichen und zu beheben. Über einen Zeitraum von acht Jahren seien 149 Fälle von gefälschten Produktdaten aufgedeckt worden, erklärte Toray. Zur Zeit laufe im Konzern eine breitangelegte Untersuchung zu möglichen weiteren Verfehlungen; zugleich würden Kunden informiert. Der Gesamtumsatz der aufgedeckten Fälle belaufe sich umgerechnet auf etwas mehr als eine Million Euro. Die Fälschungen gingen auf das Konto von zwei Managern für Qualitätskontrollen, die unter Druck gestanden hätten, Lieferziele einzuhalten. Die Angestellten seien versetzt worden.


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