Medien: Deutsches Agrarressort prüfte Ja zu Glyphosat schon länger

Berlin/Leverkusen/St. Louis (APA/dpa) - Das deutsche Landwirtschaftsministerium prüfte nach Medienberichten schon vor Monaten Möglichkeiten ...

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Berlin/Leverkusen/St. Louis (APA/dpa) - Das deutsche Landwirtschaftsministerium prüfte nach Medienberichten schon vor Monaten Möglichkeiten für eine Zustimmung zur Weiterverwendung des Unkrautvernichters Glyphosat. Das zuständige Fachreferat für Pflanzenschutz empfahl demnach schon am 7. Juli zu prüfen, ob man ohne das Einverständnis des Umweltministeriums dem Vorschlag der EU-Kommission „eigenverantwortlich“ zustimmen könne.

Das berichteten WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung am Dienstag unter Berufung auf interne Unterlagen.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte seinen Vertreter am Montag in Brüssel für eine fünfjährige Weiterverwendung von Glyphosat in Europa stimmen lassen - obwohl Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) das ablehnte. Die Geschäftsordnung der deutschen Bundesregierung sieht in solchen Fällen einen Beschluss der Bundesregierung vor, den es aber nicht gab. Deshalb hatte sich Deutschland bei vorigen Abstimmungen über die Zukunft von Glyphosat enthalten.

Die Fachabteilung im Landwirtschaftsministerium bat die Leitungsebene den Medien zufolge Ende August zudem, bei Kanzlerin Angela Merkel eine Weisung zu erwirken und das Umweltministerium unter Berufung auf die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin zu umgehen. Eine „Zustimmung ohne ressortabgestimmte Haltung“ - also ohne Einvernehmen unter den Ministerien - hielt man demnach im Haus für möglich.

In der Debatte um das umstrittene Unkrautgift Glyphosat hat der Bayer-Konzern sich für eine Verlängerung der Zulassung auf volle 15 Jahre ausgesprochen. „Leider scheint eine Wiederzulassung von lediglich fünf Jahren die einzige Möglichkeit zu sein, den Landwirten in Europa weiterhin Zugang zu diesem wichtigen Herbizid zu ermöglichen“, hieß es in einer am Dienstag verbreiteten Stellungnahme des Unternehmens.

Die Sicherheit des Unkrautvernichters sei inzwischen in bisher rund 3.300 Studien wissenschaftlich untersucht worden. Zulassungsbehörden und wissenschaftliche Instanzen in aller Welt hätten den Wirkstoff eingehend bewertet und betrachteten Glyphosat als sicher. Als wissenschaftlich orientiertes Unternehmen benötige Bayer klare, einheitliche und berechenbare Rechtsvorschriften, um weiter in die Zukunft der europäischen Landwirtschaft zu investieren, hieß es.

Glyphosat ist ein sehr wirksames Unkrautgift und wird weltweit in großen Mengen in der Landwirtschaft eingesetzt. Einige Wissenschafter sehen jedoch ein Krebsrisiko. Mehr als eine Million Bürger in der EU haben gegen eine weitere Zulassung des Mittels unterschrieben.

Der Chemiekonzern Bayer ist nach eigenen Angaben derzeit selbst kein Hersteller von Glyphosat, sondern vertreibt den Unkrautvernichter lediglich. An dem im vergangenen Jahr erzielten Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln von rund acht Milliarden Euro habe Glyphosat lediglich einen geringen Anteil gehabt, hieß es. Der deutsche Chemieriese will jedoch den Glyphosat-Hersteller Monsanto übernehmen.

~ ISIN DE000BAY0017 WEB http://www.bayer.de/

http://www.monsanto.com/ ~ APA488 2017-11-28/18:13


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