„Wenn Worte reden könnten“: Grumpy old man Jochen Malmsheimer in Wien

Wien (APA) - Wenn man als Publikum einen Saal mit Tinnitus verlässt, war man entweder in einem Rockkonzert - oder bei Jochen Malmsheimer. De...

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Wien (APA) - Wenn man als Publikum einen Saal mit Tinnitus verlässt, war man entweder in einem Rockkonzert - oder bei Jochen Malmsheimer. Der deutsche Kabarettist hat über die Jahre hinweg einen eigenen Duktus etabliert, der zwischen warm-säuselndem Bass und echauffierten Ausbrüchen in Presslufthammerlautstärke changiert. Am Dienstag hat der 56-Jährige die Gehörgänge des Wiener Stadtsaal-Publikums getestet.

Traditionell in Karohemd und Lederweste gewandet, entführt Malmsheimer als Alltagspoet in die alten Zeiten des Ruhrpotts, in der es noch „spack“ statt „slim-fit“ heißt oder „Fete“ statt „Party“. Der Nudelsalat wird mit eigenem Namen (Walter) bedacht und beschließt gemeinsam mit dem billigen Rotwein im Magen, den Rückzug anzutreten.

In seiner elaborierten Sprache entführt Malmsheimer in seine Kindheits- und Jugenderinnerungen, in die damaligen Medienphänomene und einstmaligen Begriffe. Er echauffiert sich als Grumpy old man über Leinenpflicht und Grammatikfehler, den Mundgeruch seines Hundes und den Sport als Alltagsidiotie. Letztlich betreibt der Kabarettist eine gänzlich unpolitische Bauchnabelschau als nostalgische Selbstvergewisserung der eigenen Vita, bietet seinem Publikum die kollektive Reise in die gemeinsame Vergangenheit aus bekannten Versatzstücken.

Anbiederung ist dabei Malmsheimers Sache nicht. „Ich bin in urbanen Zusammenhängen direktere Reaktionen gewohnt“, bescheidet er seinem mit dem Lachen hinterherhinkenden Auditorium und verbietet sich zugleich das Zwischenklatschen. Und auch das im Glas bereitgestellte Wiener Wasser bekommt sein Fett weg: „Man sagt, das Leben komme aus dem Wasser. Das wundert mich nicht - darin würde ich es auch nicht aushalten.“

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Die Sprache steht dabei zwar hoch im Kurs, der Fokus liegt jedoch eher auf den Anekdoten. Nur selten kommt bei dem schon einige Jahre alten Programm „Wenn Worte reden könnten oder 14 Tage im Leben einer Stunde“ entgegen des lyrischen Titels das reine Sprachspiel zu seinem Recht. Eine kleine, surreale Reise in das Beisl der Wörter stellt da die Ausnahme dar - oder Sätze a la „Man muss das Kind beim Namen nennen, bevor es in den Brunnen fällt, damit man was hinterherrufen kann.“

(S E R V I C E - Am 17. und 18. April 2018 kehrt Malmsheimer zurück in den Wiener Stadtsaal - dann mit seinem aktuellen Programm als Österreichpremiere im Schlepptau: „Dogensuppe Herzogin - ein Austopf mit Einlage“. www.jochenmalmsheimer.de, www.stadtsaal.com)


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