Scheidender SOS-Kinderdorf-Präsident sieht große Herausforderungen

Innsbruck (APA) - Helmut Kutin, seit über 30 Jahren Präsident von SOS-Kinderdorf Österreich, sieht gegenwärtig große Herausforderungen für d...

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Innsbruck (APA) - Helmut Kutin, seit über 30 Jahren Präsident von SOS-Kinderdorf Österreich, sieht gegenwärtig große Herausforderungen für die heimischen SOS-Kinderdörfer, ausgelöst etwa durch die steigende Jugendarbeitslosigkeit und die Migration. Dies erklärte der 76-Jährige im Gespräch mit der APA anlässlich seines morgigen Rückzugs als Präsident von SOS-Kinderdorf Österreich.

„Die Not ist heutzutage noch genauso vorhanden - aber in anderer Form“, stellte er eingangs fest. Weltweit gesehen sei das Leid vor allem in Somalia oder im Südsudan besonders groß. „Dort ist es für unsere Mitarbeiter besonders schwer, etwas Tragfähiges auf die Beine zu stellen“, konstatierte Kutin.

Aber auch in Österreich gebe es Probleme, beispielsweise die Jugendarbeitslosigkeit. „Es wird in zunehmendem Maße schwierig für junge Menschen, sich in die Berufswelt zu integrieren“, so Kutin. „Man darf diese Menschen aber nicht verzweifeln lassen und muss sie lebenstüchtig machen“, nannte er aus seiner Sicht die Aufgaben der SOS-Kinderdörfer. Zunehmend gehe es außerdem auch um die Betreuung der Elternteile, die aufgrund von Alkohol oder Drogen ihre Elternrolle nicht wahrnehmen können. Dies seien große Herausforderungen der Gegenwart.

Dazu zählte Kutin auch die Migrationsbewegung. „Im Zuge der Migrationswelle haben wir 300 unbegleitete Minderjährige durch eine Zuweisung der Regierung erhalten. Diese müssen wir jetzt lebenstauglich machen und integrieren“, meinte Kutin. „Wir haben Menschen aus Afghanistan und Somalia, vorrangig aber aus Syrien“, fügte er hinzu. Insgesamt sei die Verzweiflung oft groß, weil diese ihre Familien nach Österreich nachholen wollen. „Das ist im Moment aber kein Thema. Darum verzweifeln diese Menschen“, erzählte Kutin von der schwierigen Situation.

Im Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte kamen Kutin schöne und schreckliche Erlebnisse in den Sinn. „Vor genau 50 Jahren bereitete ich zusammen mit Hermann Gmeiner unsere Reise nach Vietnam vor. Dort sollte ich das größte SOS-Kinderdorf der Welt aufbauen. Es ist gelungen. Wie, das weiß ich selbst nicht mehr“, berichtete er schmunzelnd über ein Erlebnis, das ihm nachhaltig und positiv in Erinnerung geblieben ist. Als besonders trauriges Erlebnis nannte er hingegen seinen letzten Besuch im Sudan. „Ich konnte aufgrund des Krieges die Kinderdorf-Familie nicht im Kinderdorf besuchen, sondern nur in einem alten Hotel am Flughafen sehen. Nach meiner Abreise wurden zwei Menschen erschossen, die das Kinderdorf als Wächter mitgetragen hatten“, erzählte Kutin von dem Ereignis, das ihn „tief berührt“ habe.

„Ich werde morgen mein offizielles Amt als Vorsitzender und Präsident der SOS-Kinderdörfer Österreich zurücklegen“, sagte ein entspannt wirkender Kutin. Alles sei bestens vorbereitet und die designierte Nachfolgerin, Irene Szimak, müsse nur noch gewählt werden. „Ich selbst bleibe dem SOS-Kinderdorf aber als Großvater erhalten. Ich werde meine Stimme erheben, wenn ich es als wichtig und notwendig erachte“, betonte der scheidenden SOS-Kinderdorf-Österreich Präsident. „Meine besondere Aufgabe in Zukunft wird die weltweite Betreuung der Kinderdorfmütter sein“, konkretisierte er seine kommende Tätigkeit: „Ich habe meinen Hof bestellt“, zitierte Kutin abschließend den SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner. „Als Stadtkind musste ich hingegen mein Haus bestellen“, meinte Helmut Kutin lächelnd.

Kutin, der selbst im ersten SOS-Kinderdorf aufgewachsen ist, wurde 1985 von SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner als dessen Nachfolger ernannt. Die Präsidentschaft des Dachverbandes SOS-Kinderdorf International und jene von SOS-Kinderdorf übernahm er ein Jahr später nach dem Tod Gmeiners. 2012 löste ihn Siddhartha Kaul als Präsident von SOS-Kinderdorf International ab. Bei der Vollversammlung von SOS-Kinderdorf Österreich morgen, Donnerstag, wird der 76-Jährige nicht mehr zur Wahl antreten und seine Funktion als Präsident bzw. Vorsitzender des Aufsichtsrates von SOS-Kinderdorf Österreich übergeben. Kutin soll zum Ehrenpräsidenten ernannt werden. Die Hilfsorganisation ist heute in 134 Ländern mit 571 SOS-Kinderdörfern tätig.


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