25 Jahre „Muku“ St. Johann: Kultur kann auch anders

Der Musik- und Kulturverein St. Johann (Muku) feiert Jubiläum. Ein Blick auf die Anfangsjahre, die nicht ohne Widerstand abliefen.

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Von Miriam Hotter

St. Johann i. T. –Hans Oberlechner blättert in einer dicken Mappe. „Das ist das Plakat von unserem ersten Konzert“, sagt er und zieht ein A4-Blatt aus einer Klarsichthülle. „Big Band Connection Landeck“ steht auf dem Stück Papier geschrieben. „Das Konzert fand im Café Rainer statt, es kamen ungefähr hundert Zuhörer“, erzählt Oberlechner, der sich auch an das genaue Datum erinnert: 24. April 1992. Also vor einem Vierteljahrhundert. Und genau so lange gibt es schon den Musik- und Kulturverein St. Johann, kurz Muku.

Oberlechner zählt zu den Gründungsmitgliedern und ist heute Geschäftsführer des Vereins. „Wir, also eine kleine Gruppe von sieben oder acht Leuten, hatten damals die Vision, sieben Konzerte pro Jahr mit zeitgenössischer, improvisierter und alternativer Musik zu organisieren“, sagt er. Damals sei dieses Genre in der Region so gut wie nicht bespielt worden. Zumindest nicht in der Qualität, wie es Oberlechner und seine Mitstreiter gerne gehabt hätten.

Das Programm zum Jubiläumsfest

Eine Jam-Session findet am 1.12. statt. Ab 19.30 Uhr können junge Musiker, die zuvor noch nie auf einer Bühne gestanden sind, vor Publikum auftreten.

Ein Kindertheater wird es am Tag darauf, also am 2.12., um 15 Uhr geben. Das Clownduo Herbert und Mimi präsentieren „Ochs und Esel“.

Das Konzert „Asphalt!“ mit Elephant Garden und Yasmo und die Klangkantine findet ebenfalls am 2.12. statt. Beginn: 20 Uhr.

Der Film „On the Milky Road“ wird am 7.12. um 20 Uhr gezeigt.

Ein Triple-Konzert erwartet Musikfreunde am 8.12. um 19 Uhr. Bei jedem Konzert mit dabei: der britische Kontrabassist Barry Guy.

Ein Doppelkonzert steht am 9.12. um 19 Uhr auf dem Programm. Ebenfalls wieder mit dabei: Barry Guy. Alle Veranstaltungen finden in der Alten Gerberei statt. Mehr Infos unter www.muku.at.

Auch wenn das erste Konzert mit der bereits erwähnten Big Band Connection Land­eck nicht gerade ins Schema passte, engagierte der Verein in den folgenden Jahren viel­e Künstler, die alternative Musik machen. „Wir möchten weg vom Mainstream und hin zu experimenteller Musik. Das, was heute teilweise angeboten wird, ist Kulturprostitution“, so Oberlechner. Seine Kollegin Karin Girkinger kann dem nur zustimmen. „Wir schauen nicht, was gerade der Masse gefällt, sondern wollen auch Nischenbereiche besetzen.“ Mit diesem Ziel trifft der Verein immer wieder auf Widerstand.

So zum Beispiel vor circa 20 Jahren, als die US-amerikanische Sängerin Diamanda Galas im Rahmen des „Festes der Sinne“ in St. Johann auftrat. Die heute 62-Jährige ist für ihre Vorliebe für schwarze Kleidung und Make-up sowie ihre mystische Musik bekannt. „Im Vorfeld kursierte in St. Johann das Gerücht, dass die Sängerin schwarze Messen feiert. Der Pfarrgemeinderat hat daraufhin einen Protestbrief an den Salzburger Erzbischof geschrieben“, erzählt Oberlechner. Doch die Aktion blieb ohne Folgen. Diamanda Galas gab ihr geplantes Konzert, welches laut Oberlechner ein großer Erfolg war. Vielleicht auch gerade wegen der polarisierenden Künstlerin selbst. „Provokation ist ein Mittel der Kultur“, sagt Oberlechner. Die Voraussetzung: „Die Provokation darf nicht um ihrer selbst willen passieren, sondern soll auf etwas aufmerksam machen und aufrütteln.“

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Aufmerksamkeit erlangte der Verein auch einst beim Festival „Kulturschutzgebiet“. In einer Darbietung wurde Milch über in Badewannen sitzende Frauen gegossen. „Darüber haben sich Bauernvertreter sehr aufgeregt, die Aktion landete sogar auf der Titelseite der Bauernzeitung“, weiß Oberlechner. Dabei wurde die Milch nicht wie vermutet verschwendet, sondern in Behältern aufgefangen und anschließend zu einem Landwirt gebracht.

Dass solche Aktionen nicht überall Zuspruch ernten, ist den Vereinsmitgliedern durchaus bewusst, doch sie möchten eben einen anderen Zugang zur Kultur ermöglichen und Toleranz gegenüber Andersdenkenden schaffen.

Der Verein beschenkt sich zum Jubiläum übrigens mit einem vielfältigen Programm (siehe Box).


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