„Losch mi mit?“ macht Oetz mobil

Die Gemeinde Oetz begegnet dem Mobilitätsproblem mit Solidarität. „Autostoppen“ wird damit wieder populär.

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Von Matthias Reichle

Oetz – Die Zeiten, in denen man einfach den Daumen ausstreckte und auf einen Auto­fahrer hoffte, der einen mitnimmt, sind eigentlich vorbei – oder? Einst ein prägendes Element des Straßenbildes, sind Autostopper heute eher rar. Nicht in Oetz. Dort ist dies wieder im Kommen – so hofft zumindest die Gemeinde. Dem Mobilitätsproblem vieler älterer Mitbürger begegnet man in einer Art Solidaritätsaktion.

„Wir haben viele Weiler und gleichzeitig Leute dort, die nicht so mobil sind“, betont Bürgermeister Hansjörg Falkner. Siedlungen wie Oet­z­er­au oder Piburg trennen nicht nur einige Kilometer vom Dorfzentrum, sondern auch ein nicht zu unterschätzender Höhenunterschied.

„Wir haben uns überlegt, ein Taxi zu machen, wie ander­e Gemeinden.“ Tarrenz, Stams oder Nassereith konnten das bereits realisieren. Der Sozialausschuss der Gemeinde Oetz hatte dann aber eine andere Idee.

Vergangene Woche wurden nun zehn Mitfahrbankln aufgestellt – in den Ortsteilen Ebene, Oetzerau, Piburg, Habichen und im Dorf.

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Wer sich darauf niederlässt, signalisiert damit, dass er eine Mitfahrgelegenheit braucht, erklärt Falkner. Jede Bank hat ein konkretes Ziel bereits vorgegeben. Von den Weilern geht’s ins Zentrum, vom Zentrum wieder in die einzelnen Weiler.

Die Idee dahinter: „Viele Leute fahren täglich allein in ihren Autos. Es kostet kaum Zeit und kein Geld, auf dieser Strecke jemanden mitzunehmen.“ Das soll insbesondere die Situation im Sommer verbessern.

Vor allem im Winter ist die Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz in Oetz nicht schlecht. Die vielen Skibusse haben zum Teil sehr hohe Taktfrequenzen. „Das wird gut genutzt“, betont der Dorfchef – auch von Nicht-Skifahrern.

Die Idee der Mitfahrbänke ist übrigens nicht neu. Das Tiroler Netzwerk der „MobilitäterInnen“ hat Ähnliches bereits in Reith bei Seefeld, Oberperfuss und in Innsbruck umgesetzt. Auch in Oetz spielt beim Projekt die Kommunikation eine wichtige Rolle. „Gute Unterhaltung während der Fahrt!“ ist ein zentrales Element der Initiative, die heuer bereits mit dem Förderpreis der Sparkasse Imst Privatstiftung ausgezeichnet wurde. Dank der 5000 Euro, die man dabei bekommen hat, und zahlreicher Eigenleistungen ist die Umsetzung beinahe kostenneutral, wie Falkner betont.


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