Smartes Kabarett mit Thomas Maurer: Premiere für „Zukunft“ in Linz

Linz (APA) - Die Digitalisierung macht vor nichts halt, auch nicht vor dem Theater. Thomas Maurer lässt sich daher in seinem neuen Programm ...

  • Artikel
  • Diskussion

Linz (APA) - Die Digitalisierung macht vor nichts halt, auch nicht vor dem Theater. Thomas Maurer lässt sich daher in seinem neuen Programm von einem Kabarettisten-Avatar vertreten. Schließlich muss man die Segnungen des Fortschritts nutzen, bevor uns alle die „technologische Singularität“ einholt. Im Linzer Posthof bestand „Zukunft“ souverän die erste Feuerprobe. Wien-Premiere ist am 14. Dezember.

Einst schrieb der kleine Thomas in einem Deutsch-Aufsatz zum Thema „Mein größter Wunsch“, er hätte gerne einen Roboter, der für ihn die Schulbank drückt. Die Lehrer wollten das Visionäre daran nicht so recht erkennen und reagierten derart verschnupft, dass die Maurer-Eltern für den Besuch in der Sprechstunde auch gerne einen künstlichen Doppelgänger gehabt hätten.

Der große Thomas hat sich den Wunsch nun aber erfüllt: Zu Beginn des neuen Programms absolviert eine Projektion seiner selbst den Pflichtteil, den man von einem Mitglied der Staatskünstler erwartet. Maurer 2.0 referiert über schwarze Raupen, türkisfarbene Schmetterlinge und rote Todessehnsucht - bevor er just beim Teil über die Grünen rebooten muss. Der digitale Kabarettist wäre natürlich optimal, etwa für Tourstopps im abgelegenen Osttirol. Nur blöd, dass der Maurer 1.0 anwesend sein muss, um den Maurer 2.0 mittels Smartphone zu steuern.

Das Füllhorn der digitalen Welt scheint unerschöpflich und wegfallende Jobs werden ja durch neue ersetzt: Ärzte braucht man nicht mehr, weil Computerprogramme treffsicherer diagnostizieren können. Zum Überbringen der schlechten Nachrichten kann man dann mangels Medizinern arbeitslose, weil auf - dann auch nicht mehr gefragte - Ärzteserien gebuchte Schauspieler einsetzen, jene mit dem „warmen Blick“.

"Kaiserschmarrndrama": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Ein bisschen bangt auch Maurer um seinen Job - nämlich um jenen als unerschöpflicher Quell nutzlosen Wissens: In einer gemütlichen Runde punktet nicht mehr der, der viel weiß, sondern jener, der am schnellsten googeln kann - etwa zu der Frage, warum Mayonnaise eben Mayonnaise heißt. Interessierte seien hier an Wikipedia verwiesen. Neben diesem Verlust an Reputation kann es aber noch viel schlimmer kommen: Über allem hängt das Damoklesschwert der „technologischen Singularität“ - eh schon wissen: In Wikipedia nachsehen.

Zu Beginn des Programms wundert sich Maurer darüber, dass im Wahlkampf nur über Ausländer, Flüchtlinge und dann wieder über Ausländer diskutiert worden ist, während das die Zukunft wohl stärker beeinflussende Thema Digitalisierung zwar gerne in den Mund genommen, aber wenig konkret beackert wurde. Er selbst hat sich nach seinem sehr politischen Programm „Der Tolerator“, bei dem er mit Gedanken zur Leitkultur den Nerv seines Stammpublikums getroffen hat, auf dieses Experiment eingelassen, indem er die kabaretttechnisch sperrige - warum nicht gleich ein Kabarett über das Thema Steuerreform? - Materie Digitalisierung in den Mittelpunkt stellte. Es war nicht ohne Risiko, aber es ist gelungen.

Wie immer geht man mit trainierten Lachmuskeln, aber auch mit etwas zum Nachdenken hinaus. Und für alle Offliner: Die technologische Singularität ist, wenn sich Maschinen mittels künstlicher Intelligenz selbst so rasch verbessern, dass wir irgendwann den Kürzeren ziehen.

(S E R V I C E - Thomas Maurer „Zukunft“, Wien-Premiere am 14. Dezember, Stadtsaal. Weitere Termine und Infos unter http://www.thomasmaurer.at)


Kommentieren