Was Bilder zeigen und verdecken: Maier und Newkryta in der Kunsthalle

Wien (APA) - Im digitalen Zeitalter können Bilder vieles sein: Avatar und damit virtueller Abdruck eines Individuums; bearbeitete Erinnerung...

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Wien (APA) - Im digitalen Zeitalter können Bilder vieles sein: Avatar und damit virtueller Abdruck eines Individuums; bearbeitete Erinnerung an so möglicherweise gar nicht Stattgefundenes; oder Analysegrundlage für öffentliche Interessen. Diese Aspekte und noch mehr veranschaulichen Marlene Maier und Olena Newkryta in ihrer Ausstellung „Everything a Hand Can‘t Take“ in der Kunsthalle Wien Karlsplatz.

Die Künstlerinnen erhielten für ihre Diplomarbeiten an der Akademie der bildenden Künste beziehungsweise der Universität für angewandte Kunst den diesjährigen Preis der Kunsthalle, der neben einer Dotierung von je 3.000 Euro auch die bis 14. Jänner laufende Schau sowie Einzelpublikationen umfasst. Zwar haben sie sich vor dieser Zusammenarbeit nicht gekannt, die Überschneidungen in der Thematik treten aber deutlich zutage - auch wenn die jeweiligen Mittel höchst unterschiedlich eingesetzt werden.

So sind es bei Maier drei Videoinstallationen, die den Besucher gewissermaßen umfangen: Jeweils auf eine großformatige Leinwand projiziert, sieht man bei „Food only exists on pictures“ zunächst in erster Linie unscharfe Bilder - mal aus einem Büroalltag, dann verschwommene Nahaufnahmen. Dazu werden „Geschichten“ erzählt, die aus an der Decke montierten Boxen dringen: Von einem digitalen Einsiedler ist die Rede, einem Bildbearbeiter in einem Niedriglohnland oder einem Programmierer, der Algorithmen das Sehen beibringen soll.

Gefunden hat Maier diese Porträts und die dazugehörigen Bilder online - wobei sie aus unterschiedlichsten Versatzstücken collagenartig die drei Identitäten bastelte. Es sind vielfältige Assoziationen, die sie damit weckt und die auch zum Nachdenken anregen. Schließlich gibt es etliche Möglichkeiten, mit scheinbar realen Bildern zu arbeiten, sie zu verfremden, Dinge zu löschen oder einzusetzen. Entsprechend gebannt lauscht man den „Scripts“, die vorgetragen werden und somit die fiktiven Persönlichkeiten im Kopf des Betrachters zum Leben erwecken.

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Währenddessen hört man aus einer anderen Ecke des Raumes das Surren von Nähmaschinen: Ebenfalls auf drei Leinwände geworfen, stellt Newkryta für „folding unfolding refolding“ Produktion und Rezeption in ein Bezugssystem. Die Videos zeigen nämlich das Nähen ebenjener Stoffbahnen, auf denen sie nun ablaufen. Ergänzt wird diese Arbeit durch das Bild „to grasp. carnal thoughts“, für das die gebürtige Ukrainerin ihre Bettwäsche mittels Handscaner kopierte und die Einzelteile wieder zusammensetzte.

Laut Kurator Lucas Gehrmann zeigen beide Arbeiten „Bezüge zu unserer Gesellschaft und Zeit, wenngleich es durchaus abstrakt passiert“. Kunsthallen-Chef Nicolaus Schafhausen sowie die beiden Rektoren der Hochschulen, Eva Blimlinger und Gerald Bast, betonten beim Presserundgang am Mittwoch unisono die Bedeutung des Preises für die Absolventen. „Das bewegt etwas - in den Leuten selbst, aber auch in dem System, in dem sie sich bewegen“, so Bast. In Bezug auf die sich anbahnende Regierung von ÖVP und FPÖ betonte er zudem die Kooperation der Institutionen. „Wir müssen aufpassen, wie das in den nächsten Jahren wird. Diese Kooperationen müssen wir fortsetzen, auch im Interesse des kulturellen Klimas des Landes insgesamt.“

(S E R V I C E - Ausstellung zum Preis der Kunsthalle Wien: Marlene Maier & Olena Newkryta „Everything a Hand Can‘t Take“, von 30. November bis 14. Jänner 2018 in der Kunsthalle Wien am Karlsplatz, Treitlstraße 2, 1040 Wien. Täglich von 11-19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr; zur Ausstellung sind zwei Kataloge erschienen. www.kunsthallewien.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder zur Ausstellung stehen unter http://www.kunsthallewien.at/presse zum Download bereit.)


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