Missbrauchsvorwürfe - Sexualisierte Gewalt im Sport enttabuisieren

Wien (APA) - „Es ist höchste Zeit, zu enttabuisieren“, sagte Christa Prets, Vorsitzende der Initiative „100% Sport“, bei einer bereits im Ok...

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Wien (APA) - „Es ist höchste Zeit, zu enttabuisieren“, sagte Christa Prets, Vorsitzende der Initiative „100% Sport“, bei einer bereits im Oktober eingereichten Pressekonferenz zum Thema „(Sexualisierte) Gewalt an Mädchen und Frauen im Sport“. Diese hatte aufgrund der Vorwürfe durch die Ex-Skirennläuferin Nicola Werdenigg besondere Aktualität erlangt. Noch werde nur reagiert, statt agiert, kritisierte Prets.

Bei den Vereinen gebe es immer noch eine Abwehrhaltung, die mit einem „bei uns nicht“ reagiert, sagte die Vorsitzende am Mittwoch in Wien. Käme tatsächlich der Verdacht auf sexuelle Übergriffe auf, so riet sie den Vereinen unbedingt, auf externe Beratung zurückzugreifen, denn „wenn es intern bleibt, fehlt oft das Vertrauen“, riet sie bei der PK im Rahmen der Aktion „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“.

Neben der Hauptforderung, verstärkt präventive Maßnahmen in allen Verbänden, Vereinen und Organisationen zu setzen, setzte sich Silvia Moosmaier vom Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport (BMLVS) auch für einen fairen Umgang mit den von sexueller Gewalt Betroffenen ein: „Es muss einfach klar sein, dass alle Menschen, die einen sexuellen Übergriff erlebt haben, das Recht haben, darüber zu sprechen.“ Aber nicht jeder wolle dies im Licht der Öffentlichkeit, so Moosmaier, die in diesem Zusammenhang an die Medien appellierte, nur jene Personen publik zu machen, die auch dazu bereit sind. Es habe jedenfalls lange genug gedauert, die Tabus zu durchbrechen.

Was den Umgang mit sexualisierter Gewalt im österreichischen Sport betrifft, da fange man nicht bei null an, sagte Rosa Diketmüller, die eine entsprechende Arbeitsgruppe leitet. Man habe in den vergangenen Jahren bereits einen Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen entwickelt. Es handle sich jedenfalls um ein weitverbreitetes Phänomen, so Diketmüller unter Hinweis auf das deutsche Forschungsprojekt „Safe Sport“. Laut diesem hat ein Drittel aller Kaderathleten und -athletinnen, die an der Studie teilgenommen haben, von leichten Formen der sexualisierten Gewalt berichtet, ein Neuntel gab an, mit schwereren Formen zu kämpfen. Bei den Frauen war es gar die Hälfte, die eine leichte Form erfahren hat und fünf Prozent der Frauen wurde mit schwereren Gewaltformen, als bis hin zur Vergewaltigung, konfrontiert, erläuterte Diketmüller. Täter waren laut der deutschen Studie überwiegend Männer.

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„Es ist leider kein neues Thema“, stellte der Präsident der Bundes-Sportorganisation (BSO), Rudolf Hundstorfer, fest. Man habe aufgrund von „vielen, vielen Anlassfällen aus der Vergangenheit“ bereits 2009 eine größere Aktivität gemeinsam mit der Kinderschutzorganisation „die möwe“ gestartet - das werde jetzt weiter ausgebaut. Er sei froh, dass die Debatte in der Öffentlichkeit geführt wird, dass gebe die Möglichkeit, noch mehr Druck auszuüben. Denn man wolle bei der BSO, dass in Zukunft sämtliche Trainer einen Strafregisterauszug vorlegen müssen, und einen Ehrenkodex wolle man ebenso implementieren. Was die aktuellen Anlassfälle betrifft, so versuche man als BSO alle verschiedenen Anlaufstellen und Hotlines bis Weihnachten einmal zusammen zu bringen. Es sollen dabei etwa Möglichkeiten von Entschädigungen ausgelotet werden, dies alles in „einer sehr anonymisierten Plattform“, kündigte Hundstorfer an.


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