Fußball-WM: NGOs präsentieren Initiative für Menschenrechte

Wien (APA) - Zwei Tage vor der Auslosung für die Fußball-WM in Russland 2018 haben NGOs bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien auf di...

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Wien (APA) - Zwei Tage vor der Auslosung für die Fußball-WM in Russland 2018 haben NGOs bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien auf die schwierige Menschenrechtssituation im Gastgeberland hingewiesen. Vor allem die LGBT-Gemeinde (Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender) habe es schwierig. Die WM boykottieren könne man aber auch nicht, meinte der russische Menschenrechtsaktivist Alexandr Agopov.

Stattdessen „haben wir unser Nachhaltigkeitsprogramm präsentiert“ und die Gastgeber der WM hätten das auch unterzeichnet, in der Hoffnung nicht alles erfüllen zu müssen, so der Präsident der „Russian LGBT Sport Federation“. Der Weltfußballverband FIFA habe seiner Organisation angeboten, am Programm „football for hope“ teilzunehmen, so Agopov. Doch da würde der Kampf für LGBT-Rechte untergehen, weil dies ein so großes Programm sei, meinte Agopov. Und auch der russische Fußballverband halte sich bei LGBT-Themen sehr bedeckt, meinte der Aktivist, „daher müssen wir den Druck aufrechterhalten“.

Kurt Wachter vom Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (fairplay-VIDC) stellte die Initiative „OUR GE - Unser Spiel für Menschenrechte“ vor. „Unsere Vision von Fußball und Sport ist sehr positiv, da er Menschen zusammenbringt und Teamgeist fördert“, meinte Wachter. Doch in den vergangenen Jahren habe sich das bei Megaevents sehr verschoben, weil es vor allem in den großen Sportverbänden ein Problem mit „good governance“ und Korruption gebe. „Wir fordern, dass bei Großereignissen niemand zu Schaden kommt“, betonte Wachter. Neue Sportereignisse würden kommen, und die Debatte um Menschenrechtsstandards werde nicht so schnell aufhören, zeigte er sich überzeugt.

Die WM werde sicher gut organisiert, damit nicht auf die Missstände im Land geschaut werde, meinte die langjährige ORF-Auslandskorrespondentin in Moskau, Susanne Scholl. Ein Großereignis sei immer eine Möglichkeit für das Regime, sich selbst darzustellen. Mit Gegnern werde da schneller Prozess gemacht, konstatierte sie. Bei den Olympischen Spielen in Sotschi seien Umweltaktivisten aus dem Verkehr gezogen worden. Das werde bei der WM nicht anders sein und „der Mehrwert für Menschen in den Regionen, wo gespielt wird, ist überschaubar“, so Scholl.

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Die Menschenrechtssituation in Russland sei überhaupt vergleichbar mit jener zu Zeiten des einstigen Staats- und KP-Chefs der Sowjetunion, Leonid Breschnew, nur dass es nun Reisefreiheit gebe und ein ideologischer Unterbau wie zu Sowjetzeiten fehle, betonte Scholl. Das Regime suche aber Rechtfertigung im russischen Nationalismus. Die Parole „Russland den Russen“ sei zwar Unsinn in einem Land mit 89 Nationen, werde aber vor allem in Fußballstadien oft gesungen. „Ich kenne eine Reihe von Afrikanern, die in Moskau leben, und sich nach Fußballspielen zu Hause einsperren“, weil sie Angst hätten verprügelt zu werden, so Scholl.

In den Fußballstadien in Russland sei Politik kein Thema, ein Problem sei aber der Rechtsextremismus in vielen Stadien, betonte der ehemalige österreichische Trainer der russischen Fußballklubs Lokomotive Moskau und Amkar Perm, Alfred Tatar. So gebe es bei Zenit St. Petersburg und CSKA Moskau starke rechtsextreme Fangruppierungen. Homosexualität im Sport sei wie in Europa kein Thema. Ändern könne sich sowieso nur etwas von innen, „und nicht durch Druck von außen“, so Tatar. „Ich glaube, dass ist ein langer Kampf, den jedes Land für sich selbst ausfechten muss“.


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