Kroatische Regierung unzufrieden mit Urteil des UNO-Tribunals

Zagreb (APA) - Die kroatische Regierung zeigte sich „unzufrieden“ mit dem Urteil des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugosl...

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Zagreb (APA) - Die kroatische Regierung zeigte sich „unzufrieden“ mit dem Urteil des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) gegen die ehemaligen führenden Politiker und Militärs der bosnischen Kroaten. „Mit dem Urteil wird fälschlich auf die Rolle der kroatischen Staatsspitze im Bosnienkrieg angespielt“, sagte Premier Andrej Plenkovic bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Für Kroatien sei das Urteil „inakzeptabel“, betonte der Regierungschef und kündigte an, alle rechtlichen und politischen Instrumente zu prüfen, um Teile des Urteils anzufechten. „Die Staatsspitze konnte auf keine Weise mit den Fakten und Interpretationen, wie sie in dem Urteil von 2013 aufgeführt werden, verbunden gewesen sein“, so Plenkovic. Es sei „absurd“, dass in keinem der Urteile des UNO-Tribunals die Verantwortung Serbiens für ein gemeinsames verbrecherisches Vorhaben in Bosnien bestätigt worden sei, fügte er hinzu.

Das Haager Gericht hat in der Berufung die Teilnahme aller sechs Angeklagten an einem gemeinsamen verbrecherischen Vorhaben unter Führung des damaligen kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman bestätigt. Dieses zielte laut dem rechtskräftigen Urteil auf den Anschluss des Gebietes der damals selbstproklamierten „Kroatischen Republik Herceg-Bosna“ unter Kontrolle der bosnisch-kroatischen Truppen an Kroatien ab. Dies entspricht laut Plenkovic nicht dem tatsächlichen Geschehen während des Bosnienkriegs.

Plenkovic erinnerte an die Hilfe und Unterstützung, die Kroatien dem Nachbarland während des Angriffs durch Serbien leistete. Die kroatischen Streitkräfte seien aufgrund von Abkommen legal auf dem bosnischen Gebiet tätig gewesen, sie hätten ein ähnliches Massaker wie in Srebrenica (1995 durch bosnisch-serbische Truppen an 8.000 Bosniaken, Anm.) verhindert und zusammen mit der bosnischen Armee einen großen Teil des bosnischen Gebiets befreit, womit die Grundlage für das Kriegsende geschaffen worden sei. Außerdem habe Kroatien tausenden Geflüchteten aus Bosnien Zuflucht gewährt, erinnerte der Premier.

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Der Familie des verstorbenen Slobodan Praljak (72), der sich unmittelbar nach seiner Verurteilung zu 20 Jahren Haft vor laufenden Kameras vergiftet hatte, sprach Plenkovic im Namen der kroatischen Regierung seine Anteilnahme aus. „Seine Tat spricht am meisten über das tiefe moralische Unrecht gegen die sechs Kroaten aus Bosnien und gegen das kroatische Volk“, sagte der Premier.

Er bedauerte, dass sich Praljak das Leben genommen hatte. „Das zeugt von seiner großen Überzeugung, dass alles, was er gemacht hat, das Ziel hatte, Gutes für das kroatische Volk zu tun“, betonte Plenkovic. Er sprach seine Anteilnahme auch allen Opfern der Verbrechen aus, die während des Bosnienkrieges begangen worden waren.

~ WEB http://www.icty.org/ ~ APA563 2017-11-29/18:45


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