Merkel skeptisch zu Gabriel-Vorstoß zur Aufnahme junger Afrikaner

Abidjan (APA/dpa/Reuters) - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel steht einem Vorstoß von Außenminister Sigmar Gabriel skeptisch gegenü...

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Abidjan (APA/dpa/Reuters) - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel steht einem Vorstoß von Außenminister Sigmar Gabriel skeptisch gegenüber, jährlich mehrere Hunderttausend junge Afrikaner zur Ausbildung nach Europa zu holen. „Ich bin da erstmal etwas zurückhaltender“, sagte Merkel am Mittwoch vor Journalisten am Rande des EU-Afrika-Gipfels in Cote d‘Ivoire (Elfenbeinküste).

Wenn man ins Auge fasse, mit einzelnen Ländern Abkommen zu schließen, müsse zunächst die Nachfrage abgewartet werden. „Ich denk‘ nicht gleich in Hunderttausenden.“ Sie wolle sich nicht auf Zahlen festlegen. „Lassen Sie uns einfach mal starten, dann wäre schon viel gewonnen.“

Gabriel hatte vor dem Gipfel in Abidjan in einem ARD-Interview vorgeschlagen, jedes Jahr „mehrere 100.000“ junge Afrikaner zur Berufsausbildung nach Europa zu holen - sofern sie Vorkenntnisse haben und nach drei bis vier Jahren freiwillig zurückkehren. „Wenn junge Leute in Afrika keine Chance auf eine gute Ausbildung haben und keine Chance, Unternehmen zu eröffnen oder in ihnen zu arbeiten, wird es in Afrika nicht zu Frieden und Stabilität kommen“, sagte Gabriel.

Merkel forderte weiters die deutsche und europäische Wirtschaft zu einem größeren Engagement in Afrika auf. „Hier werden wir in den nächsten Monaten die deutsche Wirtschaft noch in besonderer Weise auffordern“, sagte sie am Mittwoch am Rande des EU-Afrika-Gipfels in Abidjan. Die Abkommen, die die Bundesregierung mit afrikanischen Ländern wie Cote d‘Ivoire, Tunesien oder Ghana beschlossen habe, müssten nun durch Investitionsbereitschaft europäischer Unternehmen unterfüttert werden. „Hier kann die Breite der Wirtschaft sicherlich noch viel mehr tun.“

Merkel mahnte zugleich von der afrikanischen Seite faire Rahmenbedingungen auch bei öffentlichen Ausschreibungen an. Dabei spiele die Forderung nach einem wachsenden lokalen Anteil der Produktion eine zunehmende Rolle in den Gesprächen, sagte sie. Dafür habe sie Verständnis, damit afrikanische Unternehmen eigene Fähigkeiten aufbauen könnten. „Es kann nicht so sein, dass wir die Märkte erobern, ohne afrikanischen Unternehmen auch Entwicklungschancen zu geben“, sagte Merkel.

Die deutsche Wirtschaft hatte zuvor von der deutsche Regierung angesichts steigender Handelszahlen einen Schub in der Afrika-Politik gefordert. Der deutsche Außenhandel mit Afrika hatte im ersten Halbjahr 2017 an Fahrt gewonnen und stieg nach Angaben des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft um 11,2 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro.


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