Van der Bellen - Bundespräsident nach Marathon-Hofburg-Kür

Wien (APA) - Äußerst langwierig gestaltete sich die Kür Alexander Van der Bellens zum Bundespräsidenten: Die Hofburg-Wahl 2016 zog sich über...

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Wien (APA) - Äußerst langwierig gestaltete sich die Kür Alexander Van der Bellens zum Bundespräsidenten: Die Hofburg-Wahl 2016 zog sich über fast siebeneinhalb Monate - weil eine Stichwahl nötig war, die vom VfGH aufgehoben und dann wegen Kleberproblemen verschoben wurde. So wurde Van der Bellen erst mehr als ein Jahr nach Bekanntgabe seines Antritts am 26. Jänner 2017 angelobt.

Am 8. Jänner 2016 hatte der Ex-Grünen-Chef per Youtube-Video seine Kandidatur als Unabhängiger angekündigt. Dreieinhalb Wahlkämpfe - rechnet man die kurzfristig verschobene Stichwahl-Wiederholung dazu - musste er finanzieren, und zwar mit Spenden: Den größeren Teil von 4,8 Mio. Euro steuerten die Grünen bei, aber immerhin mehr als drei Mio. Euro sammelte sein Team bei Privaten.

Die Spendenfreudigkeit sank von Wahltermin zu Wahltermin ebenso wenig wie die Beteiligung. Entgegen den Erwartungen vieler Meinungsforscher stieg letztere deutlich von Mal zu Mal: 68,50 Prozent nahmen im April ihr Wahlrecht wahr, 72,65 Prozent im Mai und 74,21 Prozent bei der Stichwahl-Wiederholung im Dezember.

Nicht nur die Dauer sprengte alle Rekorde, auch die Entscheidung fiel völlig aus der Reihe: Erstmals seit 1951 gewann nicht der von SPÖ oder ÖVP ins Rennen geschickte Kandidat - ganz im Gegenteil: Deren Bewerber Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) hatten mit nur etwas über elf Prozent nicht die geringste Chance auf die Stichwahl, sie blieben sogar hinter der unabhängigen Kandidatin Irmgard Griss, die mit 18,94 Prozent Rang 3 holte.

Für Van der Bellen sah es nach der ersten Runde am 24. April - die ihm 21,34 Prozent brachte - nicht mehr so gut aus wie zuvor in den Umfragen: Norbert Hofer (FPÖ) landete mit 35,05 Prozent weit vor ihm. Aber der Wirtschaftsprofessor legte eine beachtliche Aufholjagd hin: Er gewann zwischen erstem Wahlgang und Stichwahl-Wiederholung am 4. Dezember mehr als 1,5 Millionen Wähler dazu - und drehte den Rückstand von 590.000 Stimmen in einen Vorsprung von fast 350.000.

Dass die FPÖ die Stichwahl anfocht und der Verfassungsgerichtshof erstmals bundesweit eine Wahlwiederholung anordnete, kam nicht Hofer, sondern Van der Bellen zugute: Er baute seinen sehr schmalen Vorsprung von 30.863 auf 348.231 Stimmen aus. Aus den 50,35 Prozent vom 22. Mai - dem knappsten Hofburg-Ergebnis je - wurden im 53,79 Prozent.

Damit rangiert Van der Bellen im Mittelfeld der 13 Volkswahlen seit 1951, auf Rang 7. Er ist sogar etwas besser ausgestattet als sein Vorgänger Heinz Fischer beim ersten Amtsantritt 2004. Vom Alter her liegt Van der Bellen - mit seinen 73 Jahren bei der Angelobung - weiter oben, nämlich auf Platz 2 hinter Theodor Körner (SPÖ), der zu Beginn der ersten Amtszeit 78 Jahre zählte.

Nachhaltige Auswirkungen hatte die Hofburg-Serie 2016 auf die Wahlorganisation und -berichterstattung: Bei der Briefwahlauszählung werden jetzt die gesetzlichen Vorgaben (wie Öffnen erst ab Montag 9.00 Uhr, korrekt besetzte Wahlbehörden) streng eingehalten - und auch Medien und Hochrechner bekommen erste Wahlergebnisse erst, wenn das letzte Wahllokal zugesperrt hat. Aus Überlegungen über einen vorgezogenen Wahltag oder eine Briefwahlauszählung am Sonntag wurde wegen der vorgezogenen Nationalratswahl 2017 aber nichts.

Die drei Bundespräsidenten-Wahlgänge des Jahres 2016:

~ Erster Wahlgang am 24.4.2016 Beteiligung Gültige Stimmen 4.279.170, davon entfielen auf Dr. Irmgard Griss 810.641 = 18,94 Prozent Ing. Norbert Hofer (FPÖ) 1.499.971 = 35,05 Prozent Rudolf Hundstorfer (SPÖ) 482.790 = 11,28 Prozent Dr. Andreas Khol (ÖVP) 475.767 = 11,12 Prozent Ing. Richard Lugner 96.783 = 2,26 Prozent Dr. Alexander Van der Bellen (G) 913.218 = 21,34 Prozent

Zweiter Wahlgang am 22.5.2016 - vom VfGH aufgehoben Gültige Stimmen 4.472.171, davon entfielen auf Ing. Norbert Hofer (FPÖ) 2.220.654 = 49,65 Prozent Dr. Alexander Van der Bellen (G) 2.251.517 = 50,35 Prozent

Zweiter Wahlgang am 4. Dezember - Wiederholung Gültige Stimmen 4.597.553, davon entfielen auf Ing. Norbert Hofer (FPÖ) 2.124.661 = 46,21 Prozent Dr. Alexander Van der Bellen (G) 2.472.892 = 53,79 Prozent ~


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