Internationale Pressestimmen

Pjöngjang (APA/dpa) - Die Zeitungen kommentieren am Donnerstag den nordkoreanischen Test einer neuen Interkontinentalrakete:...

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Pjöngjang (APA/dpa) - Die Zeitungen kommentieren am Donnerstag den nordkoreanischen Test einer neuen Interkontinentalrakete:

„Le Figaro“ (Paris):

„(...) Weder Obamas Entscheidung, Kim Jong-un mit Verachtung zu strafen, noch Trumps Prahlerei konnten diesen langfristigen ballistischen und atomaren Kurs stoppen. (.) Die Machtlosigkeit der internationalen Gemeinschaft in der Nordkorea-Krise sollte jedoch zumindest als Lektion für die iranische Frage gelten. Trump brennt darauf, den ‚Atomdeal‘ (mit dem Iran) zu kippen. Nordkoreas Verhalten zeigt aber, dass hinsichtlich der Verbreitung von Atomwaffen ein nicht perfektes Abkommen besser ist, als gar kein Abkommen.“

„Sme“ (Bratislava):

„Wenn wir davon ausgehen, dass (Nordkoreas Machthaber) Kim (Jong-un) seine Atomwaffen aus einem ganz logischen Grund behalten will - nämlich, um nicht so zu enden wie Libyen, Afghanistan oder der Irak, also wehrlos bei einer amerikanischen Invasion -, dann lässt er sich davon nur auf eine Weise abbringen, der Amerika wohl niemals zustimmen wird. Zumindest nicht, solange Trump Präsident ist.

Anders gesagt, es ist ein Entgegenkommen der USA gegenüber Nordkorea bei gleichzeitiger Zusammenarbeit mit China notwendig. Dabei denken wir jetzt nicht an Chinas Zustimmung zu UNO-Sanktionen oder seine nicht sehr bereitwillige Zustimmung zu einem schärferen Embargo, sondern eine viel weiter reichende Partnerschaft. In der Form nämlich, dass China eine wasserdichte Garantie für Nordkoreas Sicherheit bieten würde, indem es dort eigene Truppen stationiert, so dass Kim seine Atomwaffen wirklich nicht mehr braucht.“

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Solange das Land weiterhin über eine Milliarde Dollar pro Jahr an Devisen einnimmt und damit seine Aufrüstung finanzieren kann, ist klar, dass die Sanktionspolitik nicht ausgeschöpft ist. Die USA haben keine andere Wahl, als den Druck auf China zu erhöhen, Nordkoreas wichtigsten Handelspartner.(...) Chinas Kommunisten haben erst vor kurzem den Anspruch auf eine künftige Weltmachtrolle in ihrer Parteiverfassung verankert. Aber mit diesem Anspruch geht auch eine Verantwortung einher. Ein erpresserischer Atomstaat in der eigenen Nachbarschaft kann kaum im Interesse Chinas sein; dennoch wirkt Peking im Umgang mit dieser Herausforderung halbherzig und konzeptlos. Will China als Ordnungsmacht in Asien glaubwürdig sein, muss es die Geldströme nach Nordkorea energischer als bisher trockenlegen. Das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, (Nordkoreas Machthaber) Kim Jong-un an den Verhandlungstisch zu bringen.“

„Independent“ (London):

„Pjöngjang behauptet, es verfüge nun über die Möglichkeit, Washington anzugreifen, und US-Präsident Donald Trump sei gut beraten, keinen Beweis dafür zu verlangen. Doch selbst wenn Kim Jong-un dies könnte, müssen die USA weiterhin in der Lage sein, diesen Schurkenstaat im Zaum zu halten, wenn nicht gar zu entwaffnen. Trump muss zudem gewährleisten, dass Südkorea und Japan über die erforderlichen Ressourcen für ihre Verteidigung sowie über Streitkräfte verfügen, die Nordkorea abschrecken können. Er sollte aber auch die diplomatischen Initiativen seines Vorgängers zur Verringerung der Spannungen mit Pjöngjang erneuern. Wohl im Scherz hatte Trump einmal angedeutet, er wünsche sich, Kims ‚Freund‘ zu sein und - was wichtiger wäre -, dass Amerika keinen Regimewechsel (in Nordkorea) anstrebe. Damit hat Trump quasi den wichtigsten Grund für Nordkoreas Atomwaffenprogramm anerkannt - die Angst, dass die USA irgendwie versuchen könnten, das zu wiederholen, was sie im Irak und in Libyen getan haben, und die Kim-Dynastie ins Exil zu drängen oder noch schlimmer zu behandeln.“


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