Die Realität elegant tonig umhüllt

Die Innsbrucker Galerie Maier widmet dem Maler und Grafiker Wilhelm Nicolaus Prachensky eine prächtige Monografie und eine Personale.

  • Artikel
  • Diskussion
© galerie maier

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Die ungewohnt vielen Besucher, die man derzeit in der Galerie Maier trifft, sind der beste Beweis dafür, dass Wilhelm Nicolaus Prachensky ein Unvergessener ist. Obwohl seine letzte Ausstellung mehr als zehn Jahre zurückliegt und die 1998 erschienene Monografie über sein malerisches, grafisches und architektonisches Werk seit Jahren vergriffen ist.

Also allerhöchste Zeit, dem 1956 im Alter von 58 Jahren verstorbenen Tiroler Künstler wieder einmal eine Personale und eine Monografie zu widmen, die sich schwerpunktmäßig auf den Maler Wilhelm Nicolaus Prachensky konzentriert. Das Leben des in eine Familie von Malern und Architekten Hineingeborenen zeichnet Galeristin Stefanie Moser-Maier akribisch nach, während der Kunsthistoriker Matthias Boeckl dessen künstlerische Position klug in den Kontext der Kunst seiner Zeit stellt. Um Wilhelm Nicolaus Prachensky als einen Künstler zu bezeichnen, der wie kaum ein anderer konsequent eine „weltoffene und konstruktive, aber dennoch höchst traditionsbewusste Modernisierung von Kunst und Leben“ lebte.

Die exzellent getroffene Bildauswahl für die Monografie reflektiert den Künstler in seiner ganzen Vielseitigkeit und Wandelbarkeit. Eine repräsentative Auswahl großer Temperabilder, Zeichnungen und Aquarelle zeigt die Galerie Maier. Angefangen mit ganz frühen, meist auf kleine Kartone gemalten Landschaften, bevor sich Prachensky unter dem Einfluss der Zeit zum Expressionisten wandelte, wie etwa sein um 1920 entstandenes, ganz à la Schiele gemaltes Selbstporträt zeigt.

Um bald schon zu seiner unverwechselbaren Handschrift zu finden. Zu einer elegant tonigen Farbigkeit, die er über formal raffinierte Extrakte der Wirklichkeit breitet. Erzählerischer bleibt der Vielreiser als Aquarellist, jener Technik, der er sich in seinen letzten Jahren ausschließlich widmet. Als Maler bunt blumiger Sehnsuchtsbilder.


Kommentieren


Schlagworte