Christina Ager: Vom Stangenwald auf die Abfahrt

Christina Ager war kurz davor, alles hinzuschmeißen. Jetzt setzt die einstige Technikerin auf die Abfahrt.

  • Artikel
  • Diskussion
© gepa

Von Roman Stelzl

Söll –Im Leben der Christina Ager gab es diese Momente, in denen nichts mehr weiterging. Der Schwung war dahin, der das „Mädchen von der Alm“ im Weltcup-Slalom von Levi (FIN) 2013 als große Überraschung einst auf Rang vier gebracht hatte. Wieso es nicht mehr klappen wollte? Das kann die heute 22-jährige Söllerin nicht mehr genau sagen. Nur so viel war klar: Der Frust war groß, als 2015 plötzlich nichts mehr passte. „Wenn man überlegt, wo ich schon war und dass nichts mehr geht, kommt man schon an einen Punkt, an dem man sich fragt: Was mache ich da?“, erklärt Ager, die auch daran gedacht hatte, alles hinzuwerfen. Auch die Rolle im Rampenlicht kam der YOG-Eid(ver)sprecherin von 2012 nicht wirklich entgegen: „Mit 16, 17 Jahren war das damals alles ein bisschen schwierig. Es war nicht leicht, mit all dem umzugehen. Aber meine Familie hat mir immer geholfen – und ich möchte die Zeit nicht missen, ich habe viel gelernt.“

Heute, vier Jahre nach dem großen Levi-Auftritt und genau zwei Jahre nach dem letzten Weltcup-Slalom, steht Ager auf der Startliste für den Speed-Auftakt heute Freitag in Lake Louise (CAN). Es war dieser Wechsel vom Stangenwald auf die Abfahrt, der der 1,81 Meter großen Skirennläuferin neue Kraft gegeben hat. „Die Speed-Rennen haben mir schon immer getaugt. Mit meiner Körpergröße und Statur habe ich, sagen wir es so, sicher keinen Nachteil.“ Anfangs hatte sie sich noch auf alle Disziplinen konzen­trieren wollen, ehe eine nach der anderen wegfiel. Der Fokus galt schließlich der Abfahrt, wo sich Ager als Dritte der Europacup-Gesamtwertung einen Fixplatz für die Weltcup-Saison sicherte.

Die Trainer zeigten sich in der Vorbereitung teilweise begeistert von den schnellen Zeiten der neuen Speed-Hoffnung. Bleibt abzuwarten, ob Ager das auch umsetzen kann. Sicher ist aber, dass die Vorbereitung gut verlaufen ist. „Früher bin ich immer zwischen den Gruppen hin- und hergereist. Jetzt habe ich mit Trainer Roland Assinger endlich eine richtige Gruppe, das hatte ich so noch nie“, ergänzt Ager, die sich heuer auf Abfahrt und Super-G konzentrieren will. Zudem ist sie aufgrund ihrer Vielseitigkeit auch eine heiße Aktie für die Kombination.

In Lake Louise muss die Tirolerin bei ihrer sechsten Weltcup-Abfahrt (bestes Resultat Rang 29 im März in Jeongseon/KOR) aber einen weiteren Schritt der Überwindung machen. Vom Slalom zur Abfahrt – das ist vor allem in Bezug auf die Geschwindigkeit ein rasanter Wechsel. „Ich darf nicht alles riskieren. Es war für mich anfangs eine große Überwindung, obwohl mir Geschwindigkeit taugt. Aber vor der Abfahrt braucht es einen guten Respekt.“

"Kaiserschmarrndrama": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.


Kommentieren


Schlagworte