Auslosung der WM-Gruppen: Niemand will Spanien aus Topf zwei

Acht ehemalige Stars als Glücksfeen und Präsident Wladimir Putin bei der Auslosung der WM-Gruppen am Freitag im Kreml-Palast von Moskau (16 Uhr MEZ). Premiere für den neuen FIFA-Chef: Infantino in der Russland-Falle.

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© imago/Golovanov + Kivrin

Moskau — Mit einer Gala in Anwesenheit von Präsident Wladimir Putin startet am Freitag (16 Uhr MEZ/live ORF eins) der Countdown für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland so richtig. 1300 Gäste werden im Kreml-Palast dabei sein, wenn die Gruppen für das Turnier von 14. Juni bis 15. Juli ausgelost werden. Sportlich steht die Frage im Mittelpunkt, wer aus Topf 2 Spanien zugeteilt bekommt.

„Spanien oder England muss man nicht in der Gruppe haben", sagte der deutsche Nationalspieler Thomas Müller wohl stellvertretend für viele andere. Die Organisatoren wollen bei der in mehr als 200 Ländern übertragenen Auslosung „russische Emotionen" bieten.

Vor der mit Spannung erwarteten Einteilung der acht Gruppen zu je vier Mannschaften tritt unter anderem Opernstar Ildar Abdrasakow auf. Das Igor-Moissejew-Volkstanz-Ensemble von der staatlichen Akademie für Modernen Tanz ist ebenfalls für einen Show-Act angekündigt.

Vor der eigentlichen Los-Zeremonie bringt der deutsche Weltmeister und WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose den WM-Pokal auf die Bühne im 1961 errichteten Palast, in der die Sowjetunion einst den Parteiführern huldigte. Als Los-Paten agieren acht ehemalige Fußball-Stars: Laurent Blanc, Gordon Banks, Cafu, Fabio Cannavaro, Diego Forlan, Maradona, Carles Puyol und Nikita Simonjan werden in unterschiedlichen Funktionen die Kugeln ziehen und damit die Teams auf die Gruppen verteilen. Vor seinem Abflug zur Gruppenauslosung nach Moskau hat Infantino in einem Video des Fußball-Weltverbandes noch einmal seine Sicht der Dinge für die erste WM unter seiner Regie im kommenden Sommer kundgetan.

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In 3:28 Minuten gibt es keine Kritik an der international nicht nur durch den Doping-Skandal heftig umstrittenen Sport-Großmacht. FIFA-Präsident Gianni Infantino blickt auf spannende Monate zurück, lobte Russland als freundlichen WM-Gastgeber. „Was Doping angeht, werden natürlich alle Spieler in allen Teams während des Wettbewerbs und auch außerhalb des Wettbewerbs getestet. Wir sind sicher, dass sich alle dieser Situation bewusst sind", sagt Infantino mitten in seinen Ausführungen. Seine Strategie ist durchschaubar — und aus seiner Sicht sogar verständlich.

In seinen knapp zwei Jahren im höchsten FIFA-Amt musste der Schweizer den durch die Blatter-Korruptions-Ära erschütterten Verband erst einmal wieder stabilisieren. Moralisch gelang das durch eigene anrüchige Manöver wie die Umformung der Ethikkommission nur bedingt, finanziell darf es nicht misslingen. Jedes neue Konfliktfeld, das das Premiumprodukt WM in Misskredit bringen könnte, muss umkurvt werden. Sonst gerät die einzige große FIFA-Einnahmequelle in Gefahr. Also muss Infantino auch Russland vor jeder Kritik schützen. (dpa, w.m.)


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