Glettler vor Bischofsweihe: „Wir feiern gemeinsam als Kirche“

Nicht er stehe im Mittelpunkt, sondern der Glaube: Wenn Hermann Glettler morgen zum fünften Bischof von Innsbruck gewählt wird, fliegen ihm die Herzen der Gläubigen zu. Die Weihe bringt frischen Wind in die Kirche.

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© Thomas Boehm / TT

Von Marco Witting

Innsbruck –Die Frage nach seinen Empfindungen vor dem Samstag war Hermann Glettler sichtlich ein wenig unangenehm. Aber nicht weil es dem designierten Bischof von Innsbruck angesichts von bis zu 8000 Gläubigen bei seiner morgigen Weihe nicht gut gehen würde. „Es geht mir gut dabei und ich bin dankbar dafür“, sagt er. Aber? „Hier geht es in erster Linie nicht um den Bischof, sondern wir feiern hier gemeinsam als Kirche“, sagt er bescheiden und verweist darauf, dass nicht seine Person im Mittelpunkt stehen wird. Aber lachend sagte er etwas später: „Ganz unbeteiligt werde ich nicht sein.“

Es werde „schön“, war sich der designierte Bischof vor Tagen schon sicher. Und seine Hoffnung war auch, dass „vielleicht ein paar Leute“ die Weihe mitverfolgen werden, die sonst nicht in die Kirche gehen und dadurch einen „Impuls“ für den Glauben bekommen.

Einen Impuls hat die Diözese Innsbruck durch die Ernennung Glettlers und seine ersten Auftritte bereits bekommen. Die volle Olympia­halle zur Weihe, einen Umstand den man anfangs nicht für möglich gehalten hatte, ist da nur das sichtbarste Zeichen dafür. Der Lienzer Dekan Bernhard Kranebitter, Sprecher der Pfarrer-Initiative, sieht Glettlers „positiven Zugang und Mut, neue Wege im Glauben zu gehen“ und so etwas wie „neue Frische“. Das Ergebnis der Bischofsernennung sei jedenfalls ein gutes. Der Weg dorthin, die Dauer der Bestellung und das Prozedere an sich, stört Kranebitter nach wie vor. „Da muss man schon unterscheiden zwischen einem zentralistischen Prozess und dem letztlich guten Ergebnis.“ Die Pfarrer-Initiative hatte mit „Befremden“ zur Kenntnis genommen, dass jemand ausgewählt wurde, der wenig bekannt war und von auswärts kam.

Glettlers Art hat die Gläubigen und die Pfarrer bisher überzeugt. Kranebitter sieht auch in der Verlegung der Weihe vom Dom in die Halle ein positives und starkes Signal. „Das ist ein mutiger Schritt und sehr erfreulich. Wir haben alleine aus dem Dekanat Lienz 69 Ministranten, die zur Weihe kommen. Kommen wollen, weil sie da gerne dabei sein möchten.“ Dies sei auch eine Art der Öffnung und ein „Hinausgehen“ zu den Menschen, so Kranebitter.

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Er wolle „Tirol und die Menschen lernen“ hatte Glettler bei seinen ersten Auftritten gesagt. Mittlerweile ist der Umzug ins Bischofshaus fast abgeschlossen. Und aus Kirchenkreisen wird auch berichtet, dass der „Neue“ für etliche Überraschungen sorgt. Oft soll er ohne große Vorankündigung auftauchen, nicht selten mit Telefonanrufen überraschen – bei denen er mehrmals glaubhaft versichern musste, wirklich der neue Bischof von Innsbruck zu sein.

Bald nach seiner Ernennung hatte Glettler auch Alt­erzbischof Alois Kothgasser in Baumkirchen besucht. Die beiden Steirer sollen sich viel zu erzählen gehabt haben. Kothgasser freute sich über den zweiten steirischen Bischof der Diözese und meinte: „Jetzt bin ich wenigstens nicht mehr der einzige Bischof in Tirol.“ Mit morgen dann auch ganz offiziell.


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