Baby misshandelt: Geschworene gingen in Beratung

St. Pölten (APA) - Im Prozess um den Tod eines Babys hat die Staatsanwältin am Donnerstag in ihrem Schlussvortrag am Landesgericht St. Pölte...

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St. Pölten (APA) - Im Prozess um den Tod eines Babys hat die Staatsanwältin am Donnerstag in ihrem Schlussvortrag am Landesgericht St. Pölten die Geschworenen aufgefordert: „Sorgen Sie mit der strengsten Bestrafung dafür, dass das Kind nicht umsonst gestorben ist.“ Die Vorwürfe gegen den wegen Mordes angeklagten Vater „haben sich im Zuge des Beweisverfahrens verdichtet“, so die Anklägerin.

Dann waren die Verteidiger am Wort. Der Rechtsanwalt der Mutter, der Quälen und Vernachlässigen einer unmündigen Person angelastet wurde, beantragte einen Freispruch. Anschließend zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück.

Beide Angeklagte würden es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, der 31-Jährige lüge unter anderem in Bezug auf seine Vorstrafen und sei nicht glaubwürdig, meinte die Staatsanwältin. Mit Hinweis auf die am Vormittag erörterten Gutachten erklärte sie: „Fakt ist, dass es ältere Verletzungen gibt, die dem Kind wohl ab Mitte Jänner zugefügt worden sind.“ Das decke sich damit, dass das Baby ab diesem Zeitpunkt unruhig gewesen sein soll. Die Mutter habe es unterlassen, dem Vater Einhalt zu gebieten, und nicht für eine medizinische Behandlung des Buben gesorgt.

Am 11. Februar wurde der Ende Oktober 2016 als Frühchen geborene Säugling laut Anklage erneut misshandelt - dem Gutachter zufolge mit hoher Wahrscheinlichkeit am Nachmittag, als der 31-Jährige mit dem Baby zuhause und seine damalige Lebensgefährtin in Wien war. Die Verletzungen seien durch „massive Gewalteinwirkungen“ und „massives Schütteln“ entstanden, der Mann habe den Tod seines Sohnes in Kauf genommen, so die Staatsanwältin.

Der Verteidiger des Vaters sprach im Schlussplädoyer die Persönlichkeitsstörung seines Mandanten an. Er ersuchte die Geschworenen, reiflich zu überlegen und mit Sicherheit ihr Urteil zu fällen - „egal, wie Sie persönlich darüber denken“.

Der Rechtsanwalt der Mutter, Wolfgang Blaschitz, erklärte, seine Mandantin habe ihre Pflichten nicht gröblich vernachlässigt. Sie habe „ohne schlechtes Gewissen“ nach Wien fahren können. Der Kindesvater habe die Misshandlungen „vertuscht“. Blaschitz beantragte einen Freispruch für die Frau. Im Falle eines Schuldspruchs sei seiner Ansicht nach §92 Absatz 1 Strafgesetzbuch und damit ein geringerer Strafrahmen von bis zu drei Jahren anzuwenden, weil die Todesfolge kein kausaler Schluss der Tat sei.


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