Trotz Lockerung der Blockade: Jemen droht weiter Hungerkatastrophe

Sanaa/Riad (APA/dpa/AFP) - Auch eine Woche nach dem teilweisen Ende einer Blockade wichtiger Häfen im Jemen droht dem Bürgerkriegsland weite...

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Sanaa/Riad (APA/dpa/AFP) - Auch eine Woche nach dem teilweisen Ende einer Blockade wichtiger Häfen im Jemen droht dem Bürgerkriegsland weiter eine Hungerkatastrophe. Internationale Helfer erklärten am Donnerstag, es komme noch immer zu wenig humanitäre Hilfe an. Auch die britische Premierministerin Theresa May hat von Saudi-Arabien eine weitere Lockerung der Blockade des Jemen verlangt.

Nur durch die verstärkte Lieferung von Hilfsgütern könne „eine humanitäre Katastrophe verhindert“ werden, erklärte May laut einer offiziellen Mitteilung der britischen Regierung vom Donnerstag anlässlich von Gesprächen mit dem saudi-arabischen König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman in Riad. Schon vor ihrem Besuch in der saudi-arabischen Hauptstadt hatte May am Mittwoch angekündigt, sie wolle in dieser Frage „Klartext“ reden.

Saudi-Arabien steht an der Spitze einer Militärkoalition, die sich in den Bürgerkrieg im benachbarten Jemen eingeschaltet hat. Am 6. November verhängte die Koalition eine Blockade über alle jemenitischen Seehäfen, Flughäfen und Landübergänge, um die vom Iran unterstützten schiitischen Houthi-Rebellen im Jemen zu schwächen. Von der Blockade waren auch die internationalen Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung im Jemen betroffen. Vor einer Woche wurde dann die Blockade zum Teil gelockert.

„Wir betonen, dass der Fortschritt der vergangenen Woche äußerst gering ist“, teilte die Organisation Norwegian Refugee Council (NRC) mit. Die teilweise Öffnung von Häfen werde nicht verhindern, dass sieben Millionen Jemeniten in eine Hungersnot rutschten.

Am Samstag landeten erstmals wieder mehrere Flugzeuge mit Hilfsgütern in der Hauptstadt Sanaa, am Sonntag erreichte ein Schiff mit 25.000 Tonnen Weizen den von Rebellen kontrollierten Hafen Saleef im Westen des Landes. Nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF benötigen mehr als elf Millionen Kinder im Jemen dringend Hilfe.

Die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Iolanda Jaquemet, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir sind sehr froh, dass die humanitäre Hilfe wieder läuft, aber das ist nur ein sehr positiver erster Schritt.“ Das Welternährungsprogramm WFP berichtete von einem dramatischen Anstieg der Preise für Treibstoff und Lebensmittel in dem Land im Süden der Arabischen Halbinsel.

Die UNO fordert, die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition müsse auch den von den Aufständischen kontrollierten Hafen Hodeida wieder freigeben. Dieser ist für die Lieferungen besonders wichtig, da in seiner Nähe die meisten der Hilfsbedürftigen leben.

Nach Angaben der IKRK-Sprecherin leidet das Land zudem unter einem „dramatischen Mangel“ an Treibstoff. Hohe Treibstoffpreise hätten in vielen Gebieten zu einem Zusammenbruch der Wasserversorgung geführt, weil diese von Generatoren abhänge. Jaquemet zufolge haben 2,5 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Schon jetzt grassiert in dem Land eine schwere Cholera-Epidemie. Wegen des Treibstoffmangels mussten auch Kliniken ihre Arbeit einschränken.

(Alternative Schreibweisen: Hudaida, Hudeida, Hodaida)


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