Machtkämpfe und Umfragetief bei deutschen Christsozialen

Berlin/München (dpa) - Kurz vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung zur Zukunft des deutschen CSU-Chefs Horst Seehofer herrschen in der...

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Berlin/München (dpa) - Kurz vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung zur Zukunft des deutschen CSU-Chefs Horst Seehofer herrschen in der Partei Chaos, Ärger und Verwirrung.

Nach Berichten über Geheimtreffen für die Spitzenkandidatur und angebliche Zusagen von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann folgte am Donnerstag der nächste Tiefschlag: In einer Umfrage sackte die CSU auf 37 Prozent ab.

Die ohnehin seit Wochen aufgewühlte Landtagsfraktion erlebte am späten Mittwochnachmittag ein Erdbeben: Die „Süddeutsche Zeitung“ und der „Münchner Merkur“ berichteten übereinstimmend, Herrmann habe in der vertraulichen Sitzung in der Staatskanzlei erklärt, er wolle Seehofer als Ministerpräsident beerben und sich um die Spitzenkandidatur bewerben, sollte dieser verzichten.

An dem Treffen soll neben Seehofer ein kleiner Kreis hochrangiger CSU-Politiker teilgenommen haben. Sollte der 61-Jährige tatsächlich seinen Hut in den Ring werfen, wäre eine Kampfabstimmung mit Finanzminister Markus Söder unausweichlich, der bisher als Nachfolge-Favorit gilt.

Herrmann gilt als einer der loyalsten Unterstützer Seehofers, Söder als dessen größter Kritiker - damit würden sich die beiden Lager der CSU bei der Kandidatenkür offen gegenüberstehen.

Seehofer (68) ist seit 2008 Parteichef und bayerischer Ministerpräsident. Seit dem schlechten Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl im September wird sein Führungsanspruch verstärkt in Frage gestellt worden. Die CSU, die ausschließlich in Bayern agiert, fürchtet um ihre absolute Mehrheit bei der Landtagswahl 2018.

Herrmann bestritt intern das berichtete Szenario. Er habe gar nichts zugesagt - so zitierten ihn übereinstimmend mehrere CSU-Landtagsabgeordnete, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Das Treffen vom Montag habe er aber bestätigt.

Herrmann wich wiederholt der Frage aus, ob er Interesse an der Spitzenkandidatur habe. Spätestens am Montag wird mit einer Aussage Seehofers gerechnet, ab 11.00 Uhr tagt dann der Parteivorstand in München.

Zweieinhalb Stunden davor, am Montag um 8.30 Uhr, kommt schon die Landtagsfraktion zusammen. Sie will gegebenenfalls noch vor der Vorstandssitzung ihren eigenen Favoriten wählen - die Entscheidung hat aber keine bindende Wirkung für den Vorstand.

In der Fraktion werden Söder deutlich mehr Unterstützer zugeordnet als Herrmann, der bereits CSU-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl war und ein historisch schlechtes Wahlergebnis einfuhr.

In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des GMS-Instituts für „17:30 Sat1 Bayern“ sagten 83 Prozent, die CSU wirke auf sie derzeit „eher zerstritten“ als einig und geschlossen. Noch schlimmer dürfte aber wirken, dass die absolute Mehrheit für 2018 immer unwahrscheinlicher scheint: Nur noch 37 Prozent würden derzeit die CSU wählen. Satte 10,7 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl 2013.


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