EU-Mandatare gegen Phosphate im tiefgefrorenen Kebab

Brüssel/Straßburg (APA) - Der Gesundheitsausschuss des EU-Parlaments hat sich am Dienstag wegen „schwerer Gesundheitsbedenken“ gegen den Ein...

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Brüssel/Straßburg (APA) - Der Gesundheitsausschuss des EU-Parlaments hat sich am Dienstag wegen „schwerer Gesundheitsbedenken“ gegen den Einsatz von Phosphaten bei tiefgefrorenem Kebab-Fleisch ausgesprochen. Damit richten sich die EU-Abgeordneten gegen den Vorschlag der EU-Kommission. In Österreich darf der Zusatzstoff, der den Fleischspieß stabil und länger haltbar macht, verwendet werden.

Konkret fordert die EU-Kommission die Zulassung von Phosphorsäure, Di- und Tri-Phosphaten und Polyphosphaten (E 338-452) in tiefgefrorenem Kebab-Fleisch. Derzeit sind laut EU-Recht explizit nur Phosphate für nicht-tiefgefrorenes Fleisch zugelassen. Die Entscheidung über eine Zulassung bei tiefgefrorenem Kebab-Fleisch obliegt den einzelnen EU-Staaten.

Die EU-Abgeordneten begründeten ihre Wahl am Dienstag mit Studien, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Phosphatzusätzen in Lebensmitteln und einem erhöhten Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen feststellten. Die Europäische Lebensmittelagentur (EFSA) kam unterdessen zu einem gegenteiligen Schluss, kündigte aber eine neue Studie bis Ende Dezember an.

Außerdem, so argumentierten etwa die Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament (S&D), würden die Konsumenten hinters Licht geführt. Diese könnten sich nicht über den genauen Inhalt des Kebab-Fleisches informieren, da sie als Endkunde das Label des Fleischs nicht lesen könnten.

Das gesamte EU-Parlament muss dem Vorschlag noch zustimmen. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass sich das Plenum gegen die Entscheidung des Ausschusses stellen wird. Die nächste Plenarwoche findet von 11. bis 14. Dezember statt. Blockiert das EU-Parlament den Vorschlag, muss er von der EU-Kommission neu überarbeitet werden.

Es gibt in Österreich keine weiterführende nationale Regelung zu Phosphat in gefrorener Fleischzubereitung, weil die diesbezüglichen Regeln EU-weit harmonisiert wurden, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Die Auslegung der EU-Regeln in den einzelnen Mitgliedsstaaten ist unterschiedlich. Die österreichische Auslegung ist, dass auch im gefrorenen Zustand Phosphat in der Fleischzubereitung enthalten sein darf und deshalb hat Österreich dem Verordnungsvorschlag auch zugestimmt. Nachdem sich an der österreichischen Rechtsauffassung durch das Veto des Ausschusses nichts ändert, ändert sich auch an der Exekution der Regeln nichts.

„Nach wie vor kann in Österreich Kebab verkauft werden, der Fleischspieß dreht sich weiter“, betonte SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach. Sie hält weitere wissenschaftliche Studien über die Auswirkungen des Zusatzstoffes für notwendig: „Wir müssen auf die Ergebnisse der EFSA warten, bevor wir ein neues Gesetz verabschieden. Mit der Gesundheit der Menschen spielt man nicht.“

Auch in Deutschland sind Phosphate derzeit sowohl in tiefgefrorenem als auch in nicht-tiefgefrorenem Döner erlaubt. Dies gilt auch nach der Entscheidung des Umweltausschusses weiter. Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor online berichtet, dem Döner drohe wegen des möglichen Parlaments-Vetos das Aus.

~ WEB http://www.europarl.europa.eu/portal/de ~ APA474 2017-11-30/16:22


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