Missstände in Wohnheim - Darabos: Behörden haben richtig gehandelt

Eisenstadt (APA) - Nach dem Bekanntwerden von Vorwürfen über Missstände in einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft im Bezirk Neusiedl am ...

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Eisenstadt (APA) - Nach dem Bekanntwerden von Vorwürfen über Missstände in einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft im Bezirk Neusiedl am See stellt sich Burgenlands Soziallandesrat Norbert Darabos (SPÖ) hinter die in die Angelegenheit involvierten Stellen. Er sei erst vor einigen Tagen informiert worden. Aus seiner Sicht hätten die Behörden „korrekt gehandelt“, sagte Darabos zur APA.

Die Behörde sei jederzeit informiert gewesen und habe „die richtigen Schritte gesetzt“, indem eine räumliche Trennung vorgenommen worden sei und die Staatsanwaltschaft sowie das Landeskriminalamt eingeschaltet worden seien. Von dieser Seite sei aus sei „keine Fehlleistung zu konstatieren“.

Zur laut Volksanwaltschaft schon im August 2016 von der Einrichtung erstatteten Gefährdungsmeldung im Hinblick auf mögliche sexuelle Übergriffe sagte der Landesrat: „Man ist dieser Meldung nachgegangen und hat den Jugendlichen, dem das zur Last gelegt worden ist, auch aus diesem Bereich abgezogen.“ Er habe das zum damaligen Zeitpunkt nicht gewusst. „Aber wenn man sich jetzt den Prozess ansieht, hat die Bezirkshauptmannschaft, hat das Land auf die damaligen Vorwürfe richtig reagiert und eben auch die notwendigen Maßnahmen daraus gezogen.“

Es sei „noch immer nicht ganz klar, was damals tatsächlich passiert ist“, weil die Angelegenheit noch anhängig sei, sowohl bei der Staatsanwaltschaft, als auch beim Landeskriminalamt, meinte der Landesrat. Er habe gehört, dass die Obfrau der Einrichtung inzwischen zurückgetreten sei, bestätigte Darabos einen Bericht des ORF Burgenland.

Der Soziallandesrat wies Kritik zurück, dass es in dem betroffenen Heim keine pädagogische Führung gegeben hätte: „Das stimmt nicht. Es hat eine pädagogische Leitung dort gegeben, die sehr wohl die Ausbildung gehabt hat.“

Bei den von Vorfällen im Jahr 2016 sei es um Übergriffe zwischen Kindern gegangen. Er habe allerdings Anrufe von Jugendlichen aus dem betreffenden Heim bekommen, die gesagt hätten: „Das stimmt alles nicht“, er könne das jedoch nicht verifizieren. „Wir schauen aber trotzdem darauf, dass wir möglichst schnell dafür sorgen, solange diese Vorwürfe nicht geklärt sind, dass wir die Jugendlichen in andere Einrichtungen verlegen.“

Es gehe dabei auch um Haftungsfragen: Sollte sich herausstellen, dass gewisse Dinge nicht stimmten, könne auch das Land in die Amtshaftung gezwungen werden. Seitens des Landes seien Psychologen in das Heim entsandt worden, die noch am Donnerstag mit den Kindern sprechen sollen. „Wir werden Kinder aus dieser Einrichtung heraus in andere Einrichtungen verlegen“, so Darabos. Dies solle geschehen, ohne die Einrichtung insgesamt zu gefährden. „Was ich nur versprechen kann, ist, dass es dort zu keinen Übergriffen mehr kommen wird - beziehungsweise man muss fragen, ob es auch zu Übergriffen gekommen ist.“

Er könne nur aufgrund der Wahrnehmung der Behörde agieren: „Und soweit ich da sehe, hat die Behörde in diesen Fällen nicht nur seriös, sondern auch konsequent die Arbeit vollzogen.“ Jeder Fall von Missbrauch sei nicht nur zu untersuchen, sondern zu ahnden.

Er habe von den Vorwürfen im November - die Volksanwaltschaft besuchte die Einrichtung am 22. November - erfahren. Trotzdem habe er aufgrund der Akten, die er gesehen habe, das Bild, „dass die Behörde von 2016 bis jetzt richtig gehandelt hat - mit der Einschränkung, dass möglicherweise stärker darauf gedrängt hätte werden können, dass man nicht nur eine räumliche Trennung herbeiführt, sondern auch eine geografisch weitergehende Trennung.“ Man habe damals auch versucht, diesen Jugendlichen in eine andere Einrichtung zu bringen. „Aber es ist danach nichts mehr mit diesem Jugendlichen passiert“, sagte Darabos.

Man werde aus dem Fall die Lehre ziehen, indem man Krisenplätze schaffe. Ob es sich dabei um eine eigene Einrichtung handle oder ob künftig ein Betroffener aus seiner jeweiligen Einrichtung in eine andere verlegt werden soll, sei noch offen. Jedenfalls werde man ein solches Krisenzentrum mit Spezialisten für derartige Fälle bereitstellen.

Kritik der ÖVP, dass er sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe einen Tag lang nicht geäußert habe, sehe er „relativ gelassen“, meinte Darabos. Er habe sich aufgrund der Sensibilität des Themas erst ein eigenes Bild machen wollen. Mit den Vorwürfen der Volksanwaltschaft sei er nicht konfrontiert worden: „Das werfe ich auch ein bisschen der Volksanwaltschaft vor. Es wäre vielleicht auch angebracht gewesen, mir das als zuständigem Soziallandesrat mitzuteilen. Das ist nicht passiert.“


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