Verhaftungswelle bei Venezuelas Ölkonzern PDVSA

Caracas (APA/dpa/AFP) - Der bisherige Erdölminister Venezuelas, Eulogio del Pino, und der Chef des staatlichen Ölkonzerns PDVSA, Nelson Mart...

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Caracas (APA/dpa/AFP) - Der bisherige Erdölminister Venezuelas, Eulogio del Pino, und der Chef des staatlichen Ölkonzerns PDVSA, Nelson Martinez, sind wegen Korruptionsverdacht verhaftet worden. Das teilte am Donnerstag der Generalstaatsanwalt Tarek William Saab in Caracas mit.

Insgesamt seien 65 Personen festgenommen worden. „Dieses Komplott hatte eine Implosion der Erdölindustrie zum Ziel“, sagte Saab. Solche Maßnahmen in der von den Sozialisten mit linientreuen Politikern und Managern besetzten Schlüsselindustrie sind sehr ungewöhnlich.

Ex-Minister del Pino wird unter anderem vorgeworfen, dass bei dem Ölunternehmen Petrozamora täglich 15.700 Barrel Öl abgezweigt worden seien, was Millionenverluste verursacht habe. Unter anderem in Kolumbien blüht der Schwarzmarkt mit Öl und Benzin aus Venezuela.

Präsident Nicolas Maduro, dem von USA und EU die Errichtung einer Diktatur vorgeworfen wird, steht massiv unter Druck. Das Land wird von ersten Ratingagenturen als pleite eingestuft - auch, weil die Erdölindustrie, die 95 Prozent der Exporteinnahmen bringt, zunehmend marode ist.

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Wegen der eingebrochenen Einnahmen und höchsten Inflation der Welt fehlen Devisen, um ausreichend Lebensmittel und Medikamente einzuführen. Die Lage wird für die Bevölkerung immer prekärer, hunderttausende Bürger sind geflohen. Bei Massenprotesten gegen die Regierung wurden zwischen April und Juli 125 Menschen getötet.

Der Ölsektor wird seit Monaten von Korruptionsaffären erschüttert. Vergangene Woche wurden mehrere PDVSA-Kader, darunter der Chef der Konzernfiliale Citgo in den USA, festgenommen. Ihnen wird Korruption, Verschwörung und Geldwäsche vorgeworfen. Erst am Sonntag hatte Maduro den General Manuel Quevedo zum neuen Ölminister und PDVSA-Präsidenten ernannt. Quevedo werde den Ölsektor säubern und die Korruption beenden, sagte Maduro.

Das Land hat auf dem Papier die größten Ölreserven der Welt vor Saudi-Arabien, aber der gesamte Sektor leidet unter maroden Strukturen. Es fehlen Raffinerien, um genug Benzin zu produzieren.

Der Staat kann den Forderungen seiner Gläubiger nicht fristgerecht nachkommen. Maduro strebt eine Neuverhandlung der Auslandsschulden an. Diese belaufen sich Schätzungen zufolge auf 150 Milliarden Dollar (127 Milliarden Euro) - 30 Prozent davon entfallen auf PDVSA. Der Ölkonzern erwirtschaftet 95 Prozent der venezolanischen Exporteinnahmen.


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