Sorge um Zukunft der Imster Vogelhändlergasse

Derzeit gibt es Ideen, die Imster Vogelhändlergasse wieder zu beleben. Denkmalschützer fürchten den Abriss wertvoller alter Bausubstanz.

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Von Matthias Reichle

Imst –Sie gilt als letzter Rest vom alten Imst – die Vogelhändlergasse in der Oberstadt entführt noch in eine bäuerliche Welt, die großteils verloren gegangen ist. Mit den verwinkelten Wegen, die an einer Stelle von einem hölzernen Balkon überspannt werden, wirkt sie wie ein Postkartenmotiv. Von einem „Idyll“ spricht das Imster Stadtbuch – doch dieser letzte Rest geschlossener bäuerlicher Bebauung ist stark gefährdet. Der Zahn der Zeit nagt an vielen Häusern, die unbewohnt sind und mehr und mehr verfallen. Durch die Realteilung gibt es über die Jahrhunderte komplizierte Besitzverhältnisse.

Der Zustand und mögliche Abriss von einzelnen Objekten macht Denkmalschützern derzeit Sorgen. Gleichzeitig gibt es aber auch Bestrebungen einzelner Besitzer, dort ein Projekt umzusetzen. Manches steht derzeit zum Verkauf.

Das bestätigt Baumeister Hans Strobl, der als Privatperson in eine vermittelnde Rolle getreten ist: Man suche für Objekte Käufer, die auch bereit sind, einiges Geld zu investieren. Auch er sieht akuten Handlungsbedarf: „Da ist Gefahr in Verzug. Vieles ist beim Zusammenrumpeln.“ Der Verfall werde mehr und mehr auch außen sichtbar. Es brauche ein Gesamtkonzept. Der Imster Architekt Dietmar Ewerz, der selbst Besitzer des Hauses 11 in der Vogel­händlergasse ist, ist dabei mit im Boot. Er hat auch den Umbau des Fasnachtshauses geplant.

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Für Strobl geht es darum, wieder „Leben in die Oberstadt zu bringen, kein Museum zu bauen“. Für ihn sei es auch ein emotionales Thema. Man werde sehr sensibel vorgehen. Für ihn ist aber auch klar, das nicht alles erhalten werden kann. Manches sei inzwischen schon einsturzgefährdet.

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Die Angst, dass gebaggert wird, kennen sowohl er als auch Ewerz zu gut. Strobl wehrt sich dabei gegen Einmischung von außen. Wie Ewerz will er aber auch Angst nehmen. „Man versucht derzeit etwas auf die Füße zu stellen, aber das braucht Zeit“, erklärt der Architekt. „Die Leute hängen optisch am Ensemble, aber keiner will darin wohnen“, betont er.

Man könne nicht aus allem ein Museum machen, sondern müsse auch dem modernen Wohnen Rechnung tragen. Es sei ein Versuch, etwas für Imst zu erhalten. „Angedacht ist eine adäquate Renovierung der Substanz, die sich erhalten lässt.“ Die Kleinteiligkeit der Oberstadt soll dabei erhalten.

Sorgenvoll blickt derzeit der Imster Historiker und Bauforscher Stefan Handle in die Oberstadt, ohne die konkreten Pläne zu kennen. „Das Ensemble ist stark gefährdet“, warnt er derzeit eindringlich – „sobald man ein Gebäude herausreißt, ist es nicht mehr dasselbe.“ Wenn man nicht behutsam damit umgeht, drohe eine Zerstörung der Vogelhändlergasse. Die Gebäude seien zwar im Privatbesitz, gleichzeitig aber ein Allgemeingut „Man hat an den Häusern nie etwas getan – das ist positiv, weil dadurch die alte Struktur erhalten geblieben ist, aber auch negativ, weil die Gebäude inzwischen sehr altersschwach sind. Die Erhaltung des Ensembles liegt im Interesse aller. Da muss man Farbe bekennen.“

Insgesamt sind es fünf Wohnhäuser, samt Wirtschaftsgebäude, die zum Teil bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Für einen Ensembleschutz spricht sich auch Walter Hauser, Chef des Bundesdenkmalamts in Tirol, aus. Man habe das der Gemeinde vorgeschlagen, es sei aber nie umgesetzt worden. In Imst geb­e es zwar viele wertvolle Einzelgebäude. „In dem Kontext ist es das letzte Ensemble da oben“, betont er.

Auch er macht sich um die Zukunft Sorgen. „Das sind Orte, da weiß man erst, was man verloren hat, wenn es zu spät ist. Wenn in der Vogelhändlergasse zwei Häuser abgerissen werden, ist es, als wenn in einem Gebiss zwei Zähne gezogen wurden. Wenn sie weg sind, schaut es merkwürdig aus.“

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