Pressestimmen zum EU-Afrika-Gipfel in Cote d‘Ivoire

Abidjan (APA/AFP) - Internationale Tageszeitungen schreiben am Freitag über den EU-Afrika-Gipfel in Abidjan und den dort beschlossenen Evaku...

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Abidjan (APA/AFP) - Internationale Tageszeitungen schreiben am Freitag über den EU-Afrika-Gipfel in Abidjan und den dort beschlossenen Evakuierungsplan für Flüchtlinge in Libyen:

„Neue Osnabrückner Zeitung“:

„1,2 Milliarden Menschen leben in Afrika. Bis 2050 wird sich diese Zahl verdoppeln. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass der Migrationsdruck auf Europa steigen wird. Die ungelöste soziale Frage wird Jahrzehnte Sprengstoff für den Schwarzen Kontinent bleiben. Weil die Politik der traditionellen Entwicklungshilfe weitgehend gescheitert ist, setzen Europas Staats- und Regierungschefs nun verstärkt auf private Investitionen. Doch Firmen investieren nur, wo Gewinn winkt, nicht aus Menschenliebe. Dazu braucht es ein stabiles politisches und gesellschaftliches Umfeld, in dem unternehmerisches Handeln gedeihen kann. Davon sind die meisten von Afrikas Staaten mit ihren alten, korrupten Eliten, Stammesfehden, religiösen Spannungen und brachliegender Bildung Lichtjahre entfernt.“

„NRC Handelsblad“ (Amsterdam):

„Hilfe für Afrika ist mehr denn je eine Frage von wohlverstandenem Eigennutz. Die Migrationsströme, mit denen Europa in den letzten Jahren zu tun hatte, sind lediglich ein Vorbote für das, was noch kommen könnte. Zäune und Küstenpatrouillen werden da nicht helfen. Wohlstand und die Schaffung stabiler Staaten sind erste Vorbedingungen, um Menschen davon abzuhalten, ihr Heil anderswo zu suchen. Darum sind Investitionen in die Jugend - ein zentrales Thema auf diesem Gipfel - auch so wichtig.

Das ist nicht wirklich eine neue Idee. Im Gegenteil. Auch der letzte Gipfel von EU und Afrika vor zwei Jahren in Malta kam in seiner Abschlusserklärung zu denselben Erkenntnissen. Nur ist diesmal die Dringlichkeit noch größer. Die Gipfelergebnisse von Abidjan können leicht abgetan werden - als lediglich beschriebenes Papier. Und die Erfahrung mit früheren Erklärungen gibt den Zynikern zu einem großen Teil recht. Nur gibt es keine Alternative.“

„Berliner Zeitung“:

„Die Kanzlerin und andere europäische Regierungschefs zeigen sich nun erschüttert über die Zustände in Libyen. Warum erst jetzt? Welche Verbrechen müssen noch geschehen, damit die Europäer sich an ihre humanitären Werte erinnern, denen sie sich einst verpflichtet haben? Nach ihrer Verantwortung müssen sich aber auch die afrikanischen Staats-und Regierungschefs fragen lassen.(...) Immerhin wurde in Abidjan nun ein Evakuierungsplan für die Internierten in jenem Teil Libyens beschlossen, der der vom Westen unterstützten Übergangsregierung untersteht. Auch hier stellt sich die Frage: Warum erst jetzt?“

„Die Welt“ (Berlin):

„Das Chaos in Libyen lässt sich aber nur durch eine politische Lösung beenden. Merkel und Macron müssen sich stärker und vor allem abgestimmt mit den Vereinten Nationen darum bemühen. Am Ende wird auch in Libyen kein Weg an Moskau vorbeiführen. Russland hat massive Wirtschaftsinteressen und nutzt geschickt das Vakuum, das der Westen in Libyen hinterlassen hat. Sollten die Bemühungen keinen Erfolg bringen, müssten EU und NATO über ein begrenztes militärisches Engagement nachdenken. Das sollte kein Tabu bleiben. Britische, französische und italienische Einheiten operieren im Geheimen ohnehin schon dort - jedoch weitgehend unkoordiniert. Libyen darf nicht noch tiefer ins Chaos sinken. Dafür ist das Land zu wichtig für Europa.“

„Süddeutsche Zeitung“ (München):

„So gesehen hat der Gipfel den Europäern zumindest die Perspektive der anderen nahegebracht. Ein bisschen zumindest. Letztlich glaubt Europa aber immer noch, die Menschen von seiner Festung abhalten zu können, 44 Milliarden Euro bis 2020 sollen in Afrika Arbeitsplätze schaffen, dabei helfen, Fluchtursachen zu beseitigen. Zum Vergleich: Die deutsche Wiedervereinigung hat etwa zwei Billionen Euro gekostet. ‚Barça wala Barsakkh‘ - ‚Barcelona oder Tod‘, sagen die Jungs in Senegal, bevor sie in die Wüste gehen, auf den Weg nach Europa. Sie werden weiterhin kommen. Und Europa sollte aufhören, nur in Mauern und Zäunen zu denken, sondern auch an Möglichkeiten, wie beide Seiten von der Migration profitieren können. Oder zumindest ihre Würde behalten.“


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