Jagdgenossenschaft Nesselwängle zerbröselt

Weißenbach schälte nach 70 Jahren zwei Eigenjagden heraus, zwei weitere Anträge sind anhängig. Aber Einigung auf gemeinsamen Pächter.

  • Artikel
  • Diskussion
Das Gerangel um das Gebiet der Jagdgenossenschaft Nesselwängle ist derzeit voll im Gange: Zwei Weißenbacher Gebiete wurden bereits als Eigenjagden festgestellt, zwei weitere Anträge sind im Laufen.
© PantherMedia/Bachmair

Von Alexander Paschinger

Nesselwängle, Weißenbach – Seit dem gestrigen 1. Dezember sind die Jagdflächen der ehemaligen Jagdgenossenschaft Nesselwängle neu verpachtet. Ehemalig deshalb, weil sich seit Kurzem die Jagdgenossenschaft nicht mehr als große Einheit darstellt. Zwei Eigenjagden wurden bereits rechtskräftig ausgegliedert, zwei weitere Anträge auf Eigenjagd-Feststellung befinden sich noch im Instanzenzug. Während sich der Weißenbacher Bürgermeister Hans Dreier über eine „Beseitigung eines jahrzehntelangen Unrechts“ freut, gibt man sich in Nesselwängle mehr als wortkarg: Weder der dortige Bürgermeister Klaus Hornstein noch der Obmann der Jagdgenossenschaft Nesselwängle, Martin Schatz, wollen sich dazu äußern.

Vor dem Zweiten Weltkrieg, erklärt BM Dreier, seien die beiden Jagdgebiete Schneetal und Gaicht, die beide zum Weißenbacher Gemeindegebiet gehören, der Jagdgenossenschaft angegliedert worden. Nach 1945 habe sein Vater als Bürgermeister und dessen Vize versucht, die Jagdgebiete zurückzugliedern. „Aber das wurde bis zum obersten Gericht hinauf verloren“, so Dreier zur TT.

Mit dem neuen Jagdgesetz entstand nun allerdings wieder die Möglichkeit, eine Eigenjagd ab 115 Hektar Größe zu beantragen – und zwar bis zum 31. Dezember 2017. „Das haben wir nun wahrgenommen“, so Dreier. Einnahmen habe es zwar bisher schon als Grundeigentümer gegeben – „aber es geht um die Eigenständigkeit“.

Der Einspruch der Jagdgenossenschaft Nesselwängle gegen diese Abspaltung wurde nun mit Ende Oktober obsolet, denn seitens der Weißenbacher wurde dem Vorschlag der gemeinsamen Verpachtung zugestimmt. Die nötigen Pachtverträge für das Schneetal und Grän wurden am 15. November vom Weißenbacher Gemeinderat beschlossen. „Alle fünf Jagdgebiete haben sich auf einen Pächter und die Beibehaltung des bisherigen Jagdpersonals geeinigt“, so Dreier. Beim Pächter war es zu einem Wechsel gekommen – seit 1. Dezember ist ein Schweizer neuer Jagdherr im ehemaligen Gebiet der Jagdgenossenschaft Nesselwängle.

Der stellvertretende Bezirkshauptmann Konrad Geisler bestätigt die Rechtskraft der beiden Eigenjagd-Bescheide für das Schneetal und Gaicht. Anhängig seien jedoch noch die beiden anderen Anträge für Eigenjagden in den Bereichen Gräner Ödenalpe und die Nesselwängler Edenalpe. „Bei einer Eigenjagd braucht es die Mindestgröße, die Beschaffenheit und die Einstandsflächen – das ist alles im Tiroler Jagdgesetz geregelt“, so Geisler.

Genossenschaftsobmann Schatz wirkt enttäuscht und will sich „nicht äußern, bevor nicht alles geregelt ist“. Nesselwängles BM Hornstein will sich überhaupt mit „kein Kommentar“ heraushalten.


Kommentieren


Schlagworte