In die Verkehrsfrage soll wieder Bewegung kommen

Planungsverband Hall und Land wollen zunächst Radverkehr und Öffis stärken, an eine etwaige neue „Spange“ tastet man sich vorsichtig heran.

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© Domanig

Von Michael Domanig

Hall, Mils, Gnadenwald –Das Nein der Milser Bevölkerung zum geplanten Autobahn-Halbanschluss „Spange Hall-Ost“ und der daraufhin vom Land verkündete Planungsstopp liegen schon fast zweieinhalb Jahre zurück. Doch das Kernproblem – nämlich der Durchzugsverkehr Richtung Autobahn, der den Unteren Stadtplatz und die Wohngebiete in Hall überrollt – ist virulent wie eh und je. Nun jedoch nehmen die Überlegungen für ein neues Mobilitätskonzept Fahrt auf.

1Was bisher geschah: 2016 beauftragten der Planungsverband 16 – Hall und Umgebung und das Land zwei Verkehrsplanungsbüros mit einer Evaluierung der bisherigen Planungen und einer weiteren umfassenden Verkehrsanalyse. Am Donnerstagabend stellten die Experten in Gnadenwald nun die Arbeit der letzten eineinhalb Jahre und den weiteren Fahrplan vor. Zur Präsentation wurden neben allen Gemeinderäten des Planungsverbandes 16 erstmals auch vier Bürgermeister aus dem Planungsverband Wattens und Umgebung und jene von Ampass und Tulfes eingeladen. Ziel sei es nun, ein „gemeinsames regionales Mobilitätskonzept mit kurz- und mittelfristigen Schwerpunkten voranzutreiben“, erklärt die Haller Bürgermeisterin und Planungsverbandsobfrau Eva Maria Posch (VP).

2Kurzfristige Schwerpunkte: Radverkehr & Öffis: Als ersten Schritt verständigte man sich auf den Ausbau des Radwegenetzes zwischen den Gemeinden: Schon ab Frühjahr soll ein regionales Radverkehrskonzept erarbeitet und dann rasch umgesetzt werden. Auch die Öffi-Nutzung im Planungsgebiet – welche Linien sind wie stark oder schwach frequentiert – wurde von einem Verkehrsbüro erhoben. Bevor über konkrete Verbesserungen diskutiert wird, sollen nun aber auch noch die Effekte des neuen, stark nachgefragten VVT-Jahrestickets in die Daten einbezogen werden. Potenzial für Rad, E-Bike und Öffis wäre jedenfalls da: Von den 82.000 täglichen Pkw-Fahrten im Gebiet zwischen Rum und Mils liegt die Hälfte unter fünf Kilometern.

3Maßnahmen des Landes: Das Land Tirol wolle 2018 die Verkehrsabläufe entlang der stark belasteten B171 – Tiroler Straße „optimieren“, führt Christian Molzer, Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße, aus. Geplante (Bau-)Maßnahmen betreffen den Unteren Stadtplatz und die Kreuzung Galgenfeldstraße in Hall sowie die Anbindung der Gemeindestraße Remlrain in Mils.

4Straßenverbindung B171 – A12: Delikate Kernfrage bleibt freilich eine zusätzliche Straßenverbindung von der B171 zur Autobahn. Die Experten hätten klargemacht, „dass das bestehende Straßennetz den Verkehr Richtung Autobahn auf Dauer nicht bewältigen kann“, betont Posch, zumal die Region weiterwachse. Unter dem Motto „Ein Schritt zurück“ wollen sich Planungsverband und Land aber nur langsam an eine mögliche bauliche Lösung herantasten. Der Planungsprozess wird komplett neu aufgesetzt: Eine „Planungsgruppe“, bestehend aus Gemeinderäten des Planungsverbandes, soll verschiedene Varianten einer Verbindungsstraße zwischen der B171 und der L9 – Mittelgebirgsstraße diskutieren, mit oder ohne Anschlussstelle an die A12. Auch Asfinag und Bund sollen einbezogen werden. Nach dem Rat der Experten (und den Erfahrungen 2015) soll die Bevölkerung diesmal über die Systemvarianten informiert und bei Diskussionsveranstaltungen eingebunden werden, ehe ein konkretes Projekt ausgearbeitet wird. „Diesmal sollen die Bürger nicht mit einem fixfertigen Plan konfrontiert werden“, meint Vize-BM Wolfgang Tscherner (Für Hall).

Konkrete Aussagen, wo die Straßenverbindung und etwaige Anschlussstelle positioniert werden könnten, will sich derzeit keiner der Verantwortlichen entlocken lassen. Dafür gibt es allseits Lob für die Präsentation der Experten und den neuen Ansatz. „Das Bewusstsein in der Region ist gewachsen, dass wir alle im selben Boot sitzen“, meint BM Peter Hanser (Mils). Wie Posch ist auch er optimistisch, „dass wir diesmal eine Lösung finden, die für alle tragbar ist“.


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