Jesuit Hagenkord: Papst agiert manchmal gezielt undiplomatisch

Hamburg (APA) - Der Jesuit Bernd Hagenkord hat die Entscheidung des Papstes verteidigt, in Myanmar auf eine ausdrückliche Erwähnung der verf...

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Hamburg (APA) - Der Jesuit Bernd Hagenkord hat die Entscheidung des Papstes verteidigt, in Myanmar auf eine ausdrückliche Erwähnung der verfolgten Rohingya zu verzichten. Denn gleichzeitig agiere Franziskus oft gezielt undiplomatisch, schreibt der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von „Radio Vatikan“ in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“, wie Kathpress meldet.

So habe der Papst schon Ende August „das größte Tabu“ des buddhistischen Myanmar laut ausgesprochen, als er die brutale Verfolgung der muslimischen Minderheit der Rohingya beklagte, erinnerte Hagenkord. Franziskus sei bei seinem kürzlichen Besuch nun vor der schwer lösbaren Aufgabe gestanden, „Unrecht deutlich zu benennen, aber nicht noch mehr Schaden anzurichten“.

Dass der Papst sich im Vorfeld der Asienreise nicht an die von seinem Staatssekretariat empfohlene Zurückhaltung hielt, gehöre „zur politischen ‚Methode Franziskus‘: Lieber zu wenig als zu viel Vorsicht“, erklärte Hagenkord. In Myanmar hätten die Worte des Papstes dazu geführt, dass zwei Treffen mit der Militärführung und mit Religionsvertretern ins Programm genommen wurden. „Was hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, wissen wir nicht. Aber: Wenn es Konzessionen gibt, dann entstehen sie aus solchen vertraulichen Treffen - und nicht aus offiziellen Reden.“

Zur „Methode Franziskus“ gehöre das Informelle und Außerplanmäßige, schreibt Hagenkord und erinnerte an einen spontanen Stopp des Papstes an der israelischen Sperrmauer bei einem Bethlehem-Besuch 2014. Mit diesem Stil tue sich die traditionelle Vatikan-Diplomatie schwer. Für den Papst seien es jedoch „immer wieder kleine Aktionen auf Reisen, die ihm Spielraum verschaffen“. Dabei scheue er auch nicht „die Kosten eines offenen Wortes“, so Hagenkord unter Verweis auf die Kritik an US-Präsident Donald Trump, mit der sich der Papst Sympathien in den USA verscherzte. Als Jesuit denke Franziskus „dialektisch: Undiplomatisches Handeln und Sprechen ist manchmal die beste Diplomatie“.


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