Leonardo-Auktionator Pylkkanen: „Nicht einfach Öl auf Holz“

New York (APA/dpa) - Fast 20 Minuten lang führte Auktionator Jussi Pylkkanen Mitte November mehrere wettstreitende Bieter durch die Versteig...

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New York (APA/dpa) - Fast 20 Minuten lang führte Auktionator Jussi Pylkkanen Mitte November mehrere wettstreitende Bieter durch die Versteigerung von Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ - dann fiel der Hammer bei 450 Millionen Dollar. Klatschen, Jubeln, Weltrekord. Eine „Demut lehrende Erfahrung“ sei das gewesen, sagt Pylkkanen, der Chef des Auktionshauses Christie‘s, im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Was war das für ein Gefühl, als Sie Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ für den Rekordpreis von 450 Millionen Dollar versteigert haben?

Antwort: Es war eine Demut lehrende Erfahrung. Wenn man professionelle Auktionen macht, ist es sehr wichtig, dass man es für die Bieter angenehm macht und ihnen auch Zeit gibt, das Ganze gut zu durchdenken. Hin und wieder musste ich das Publikum im Raum ja sogar zur Ruhe ermahnen. Das Ganze war ein wunderbares Privileg, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich es einmal haben würde. Als ich anfing, war ich ein schrecklicher Auktionator und wollte auch eigentlich gar nicht in diesen Bereich gehen. Bei meiner ersten Auktion habe ich gerade einmal 50 Stücke durchgehalten, dann wurde ich rausgenommen, ich war einfach zu langsam.

Frage: Nach diesem Rekordpreis - gibt es überhaupt noch eine finanzielle Obergrenze?

Antwort: Ich habe noch nie ein Objekt von einer solchen globalen Bedeutung und kulturellem Wert verkauft. Leonardo ist der größte Künstler aller Zeiten, das große Genie. Und das Werk ist ein Bild von Christus, nicht einfach Öl auf Holz, eine Ikone. Wir können dieses Werk also nicht mit irgendeinem anderen von einem anderen Künstler vergleichen. Es wird noch viele Picassos, Cézannes oder Matisses geben - aber einen anderen Leonardo? Nein! Deswegen ist das sehr schwer zu sagen.

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Frage: Werden wir je erfahren, wer das Bild gekauft hat?

Antwort: Das muss der Käufer entscheiden, nicht wir - außer wir bekämen eine Freigabe. Meiner Sichtweise nach ist der Kauf eines Meisterwerks das Privileg eines Individuums.

ZUR PERSON: Jussi Pylkkanen ist Chef des Auktionshauses Christie‘s. Er wurde 1963 in Finnland geboren und ist für die wichtigsten Versteigerungen des Auktionshauses zuständig.

(Das Gespräch führte Christina Horsten/dpa)


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