Glyphosat-Verlängerung löst Proteststurm aus

Filmemacher Alexander Schiebel spricht von einem Phyrrhussieg der chemischen Industrie. Österreich bastelt an Glyphosat-Verbot.

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Die Aufnahme eines Feldes in Südtirol. Hier wird ein Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Es handelt sich nicht um Glyphosat, aber um eines der anderen erlaubten Mittel.Symbolfoto: Screenshot "Das Wunder von Mals".
© Schiebel

Von A. Plank und S. Strobl

Innsbruck – Der Konzern Monsanto reagierte auf die Bewilligung seines Mittels Glyphosat für weitere fünf Jahre durch die EU enttäuscht. Man habe sich eine umfassendere Bewilligung erwartet.

Indes laufen Umweltorganisationen dagegen Sturm. Vertreter aus Österreich, Deutschland und Italien erstatten Strafanzeige gegen das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Am Freitag forderte Greenpeace Österreich in einem offenen Brief die Landeshauptleute auf, Glyphosat zu verbieten. Geschäftsführer Alexander Egit nennt die EU-Entscheidung skandalös. Helmut Burtscher von Global 2000 hält den Alleingang des deutschen Landwirtschaftsministers Christian Schmidt für einen „Tabubruch“ und verweist auf eine Gesetzesinitiative für ein österreichweites Verbot, die am 13. Dezember im Parlament eingebracht wird. „Wenn alle Parteien, die vor der Wahl ,Nein‘ zu Glyphosat sagten, auch nach der Wahl die Zulassung von Glyphosat ablehnen, wird dies ein Gesetzesantrag von SPÖ, FPÖ und der Liste Pilz sein.“

Filmemacher Alexander Schiebel, der die Doku „Das Wunder von Mals“ über die glyphosatfreie Gemeinde gedreht hat, – sie wird am Montag im Treibhaus gezeigt – spricht von einem Pyrrhussieg für Monsanto. „Das hat einen Proteststurm entfacht. In Deutschland, wo der Minister dafür gestimmt hat, aber auch in anderen Ländern organisieren sich Bürgerinitiativen.“ „Das Wunder von Mals“ erzählt die Geschichte des Obervinschgauer Ortes, der erstmals in Südtirol bei Obstkulturen auf den Einsatz von Glyphosat verzichtete. „Es war unglaublich, wie der Bauernbund, die Landesregierung, aber auch die Medien auf dieses kleine Dorf hingedroschen haben“, erzählt Schiebel. Der gebürtige Deutsche bekam auch sein Fett ab. Bis hin zu dem Umstand, dass der Südtiroler Landeshauptmann höchst persönlich die Ausstrahlung einer Kurzversion des Films auf ARTE per offiziellem Schreiben verhindern wollte.

Worauf ist aber der Aufstand der Malser gegen die Agrarlobby zurückzuführen? Für Schiebel steht fest, dass Mals zu hoch liegt und das Obstgeschäft erst mit Verspätung entdeckt wurde: „Die Malser haben sich gedacht, die Stufe mit den Giften überspringen wir und machen gleich mit dem biologischen Anbau weiter“, erzählt er. Und wie bei den Bewohnern des gallischen Dorfes aus den Asterix-Filmen sei wohl eine große Portion Sturheit dabei.

Schiebel legt auch offen, warum die Südtiroler, die eigentlich in Sachen Umweltschutz Vorreiter in Italien sind, gerade beim Glyphosat auf die Beibehaltung des Status quo drängen: „Diese Form der Landwirtschaft funktioniert seit Jahrzehnten extrem gut und bringt Gewinne, weshalb sollte man daran was ändern?“

Was das Gift anrichte, sei für ihn offensichtlich. „Dass es krebserregend ist, weiß man schon seit den 70er-Jahren. Den Malsern musste man nicht erklären, dass das Gift ist, vielmehr musste man ihnen begreiflich machen, warum das Mittel nicht schon lange EU-weit verboten ist“, so Schiebel.


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