Helmut Kutin: „Lassen Sie kein Kind alleine“

Eine Familie würdigt ihr Oberhaupt: Nach mehr als drei Jahrzehnten an der Spitze von SOS-Kinderdorf wurde Helmut Kutin am Donnerstag zum Ehrenpräsidenten ernannt.

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© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage

Von Benedikt Mair

Innsbruck –Kinder lachen, Erwachsene diskutieren aufgeregt. Die Stimmung ist ausgelassen. Eine Familie hat sich getroffen, um ihr Oberhaupt, Helmut Kutin, zu feiern. Nur: Kutin selbst schreitet an diesem Donnerstagabend gelassen, unauffällig und bedächtig durch die Reihen im Innsbrucker Congress. „Typisch Kutin“, sagen jene, die ihn kennen. Selbst im Mittelpunkt zu stehen, sei ihm immer ein Graus gewesen. „Seine“ Kinder waren das Einzige, was für ihn zählte. Seine Lebensaufgabe. Nach über 30 Jahren hat Kutin seine letzte Funktion bei SOS-Kinderdorf, den Vorsitz der österreichischen Organisation, abgegeben. Von der Vollversammlung wurde er am Nachmittag zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Zu diesem Anlass waren Freunde und Weggefährten gekommen, um Kutins Wirken zu würdigen. Er sei jemand, der „andere mit wenigen Worten überzeugen kann, dass die Idee vom SOS-Kinderdorf die Grundlage für ein gutes Leben für viele Kinder weltweit ist“, sagt Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer anerkennend. Wolfgang Böhmer, Journalist und Autor, war mit Helmut Kutin auf vielen Reisen und habe immer gemerkt, „dass es bei ihm weder oben noch unten gibt. Er begegnet Klein und Groß auf Augenhöhe und weiß mit seiner Freundlichkeit und seinem Wissen Menschen zu begeistern.“ Dass der frischgebackene SOS-Kinderdorf-Ehrenpräsident ein außergewöhnlicher Mensch sei, stehe auch für Jeanne Mukaruhogo außer Frage. Sie selbst war von ihm als Mädchen aus Burundi in ein Tiroler Kinderdorf geholt worden und ist heute Afrika-Sprecherin der Organisation. „Helmut Kutin hat eine ganz besondere und enge Beziehung zu allen Kindern dieser Welt“, meint Mukaruhogo. Und auch Irene Szimak, Kutins Nachfolgerin, findet nur lobende Worte: „Sein Vermächtnis ist die Kernbotschaft von SOS-Kinderdorf, uns ganz besonders um die Kinder zu kümmern.“

Obwohl Kutin in seiner Zeit bei SOS-Kinderdorf viel in der Welt unterwegs war – unter anderem mehrere Jahre in Vietnam –, blieb er seiner Heimat Tirol immer verbunden. Er selbst wuchs im ersten Kinderdorf in Imst auf. Dass seine Heimat sich auch ihm verbunden fühlt, brachte Landesrat Johannes Tratter in seiner Laudatio zur Geltung: „Wir in Tirol sind riesig stolz auf das Kinderdorf“, würdigte Tratter den „Weltenbürger“ Kutin.

Als der Geehrte selbst die Bühne betritt, findet er klare und für seine Person bezeichnende Worte für all das Lob: „Einiges, was heute hier gesagt wurde, ist sogar richtig, das meiste davon übertrieben. Aber das gehört zu solchen Sachen eben dazu.“ Auch wenn er das Fest, diesen Aufwand nie gewollt habe, freue er sich, dass alle, die gekommen seien, ihren Spaß hätten. Landesrat Tratter nimmt er in die Pflicht: „Hermann Gmeiners (Gründer SOS-Kinderdorf, Anm.) Traum war es, Mediziner zu werden. Ihm zum Gedenken bitte ich das Land Tirol, zwei Stipendien für ein Medizinstudium bereitzustellen. Und ich verlasse den Raum nicht, solange ich keine Zusage habe.“ Auch an alle anderen formuliert er eine Bitte: „Lassen Sie kein Kind alleine.“

Am Ende der Feier steht Kutin umringt von Kindern und Mitstreitern. Sie haben Luftballons mitgebracht – sein Markenzeichen. Immer hatte er einen dabei, um im Fall des Falles den Kleinen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Der Ehrenpräsident steht im Kreis seiner Familie. „Meiner Familie, deren Teil ich bis an mein Lebensende sein werde.“


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