Konflikte in Afrika: Hunger, Machtkämpfe und gestürzte Despoten

Berlin (APA/dpa) - Afrika ist rund drei mal so groß wie Europa. Einige Länder machen gute Fortschritte, doch der Kontinent ist auch Schaupla...

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Berlin (APA/dpa) - Afrika ist rund drei mal so groß wie Europa. Einige Länder machen gute Fortschritte, doch der Kontinent ist auch Schauplatz von islamistischem Terrorismus und großen humanitären Krisen.

2017 ist für einige der rund 50 Staaten in Afrika südlich der Sahara mehr als turbulent gewesen: In Simbabwe und Gambia wurden Machthaber gestürzt, in Ländern wie dem Kongo klammerten sich Potentaten hingegen an die Macht. Teile des riesigen Kontinents wurden von Hungerkrisen erschüttert, etwa der Südsudan, Somalia und Nigeria. Ein Überblick:

MALI: Trotz einer UNO-Friedensmission zur Stabilisierung des westafrikanischen Landes ist ein nachhaltiger Frieden ist in Mali bisher nicht in Sicht: Rebellen im Norden lehnen teils die Autorität der Regierung ab. Die Weiten der Sahara bieten zudem mit Al-Kaida in Verbindung stehenden islamistischen Terroristen weiter ein ideales Rückzugsgebiet, von dem aus sie ihre Attentate planen können. Seit Beginn der UNO-Friedensmission 2013, an der derzeit auch fünf österreichische Bundesheer-Soldaten teilnehmen, wurden bereits fast 90 Blauhelmsoldaten bei Angriffen oder Anschlägen getötet. An einer EU-Trainingsmission (EU) sind 20 Österreicher beteiligt.

KONGO: Präsident Joseph Kabila weigert sich weiter, abzutreten, obwohl seine zweite Amtszeit bereits 2016 endete. Die für 2017 geplante Wahl wurde mit immer neuen Begründungen verschoben. Nun soll Ende kommenden Jahres gewählt werden. Die politische Instabilität befeuert indes die Konflikte im Osten und im Zentrum des zentralafrikanischen Riesenreichs. Die Vereinten Nationen haben den Kongo angesichts von Massenflucht und Hunger jüngst - neben Syrien, dem Irak und dem Jemen - zu einer der vier größten humanitären Krisen weltweit erklärt.

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NIGERIA: Präsident Muhammadu Buhari (74) war 2017 monatelang wegen nicht näher erklärter gesundheitlicher Probleme in London in Behandlung. Das Regieren von Afrikas bevölkerungsreichstem Staat mit etwa 185 Millionen Einwohnern fiel in dieser Zeit Vizepräsident Yemi Osinbajo zu, die Gerüchte über Buharis angeschlagene Gesundheit beschäftigten das Land. Nigerias Wirtschaft und Staatsfinanzen litten unter dem niedrigen Ölpreis, während die islamistische Terrorgruppe Boko Haram im Nordosten weiter tödliche Anschläge verübte. Dort brauchen Millionen Menschen Nahrungsmittelhilfe.

SIMBABWE: Nach 37 Jahren an der Macht hat ein unblutiger Militärputsch der Karriere von Langzeitpräsident Robert Mugabe (93) ein Ende bereitet. Die Geduld des Militärs schien im November überstrapaziert, als der greise Autokrat seinen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa entließ, um seine unbeliebte Frau Grace (52) als seine Nachfolgerin zu positionieren. Präsident Mugabe wurde unter Hausarrest gestellt, Soldaten nahmen mehrere Verbündete von Grace Mugabe fest, darunter auch Finanzminister Ignatius Chombo. Ende November wurde Mnangagwa als Nachfolger Mugabes vereidigt.

SÜDAFRIKA: Die Menschen in Afrikas meistentwickeltem Land haben 2017 ungläubig zugesehen, wie ein Korruptionsskandal um Präsident Jacob Zuma und eine befreundete Unternehmerfamilie immer weitere Kreise zog. Zuma ist schwer angeschlagen, seine Amtszeit läuft Anfang 2019 aus. Die Arbeitslosenquote liegt bei fast 28 Prozent, die Wirtschaft stagniert. 2018 wird es vor allem um den Kampf um Zumas Nachfolge und die nötige Neuorientierung des Landes hin zu einem Wachstumskurs gehen.

KENIA: Das ostafrikanische Schwergewicht ist 2017 politisch schwer ins Wanken geraten. Zum ersten Mal in der Geschichte des Kontinents annullierte ein Gericht eine Präsidentenwahl. Was zunächst als demokratisches Leuchtfeuer gefeiert wurde, führte zu einer umstrittenen und von der Opposition boykottierten Neuwahl. Dem seit 2013 amtierenden Staatschef Uhuru Kenyatta fehlt damit in den Augen vieler Kenianer die Legitimität. Zunächst blieb es im Land - anders als 2008 nach einer umstrittenen Wahl - jedoch weitgehend friedlich.

SÜDSUDAN: Der Bürgerkrieg im jüngsten Staat der Welt wütete auch im vierten Jahr weiter. Inzwischen ist knapp ein Drittel der Bevölkerung des ostafrikanischen Landes auf der Flucht. Der Krieg stürzte das Land auch in eine Hungerkrise, zeitweise herrschte in Teilen des Südsudans eine Hungersnot - der ersten weltweit seit Jahren. Doch ein Ende des Konflikts zwischen Anhängern von Staatschef Salva Kiir und seinem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar ist nicht in Sicht.

SOMALIA: Afrikas ewiger „failed state“ (gescheiterter Staat) kam auch 2017 wegen des andauernden Konflikts und einer Hungerkrise nicht zur Ruhe. Seit Jahren kämpft die Terrorgruppe Al-Shabaab um die Vorherrschaft in dem Land am Horn von Afrika. Sie wurde auch für den tödlichsten Angriff in Somalias jüngster Geschichte verantwortlich gemacht, bei dem im Oktober mehr als 300 Menschen getötet wurden. Die USA flogen verstärkt Luftangriffe gegen Al-Shabaab - und griffen auch zum ersten Mal Kämpfer des Islamischen Staats (IS) in Somalia an.


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