Nationalisten wollen Autonomie für Korsika - „Kein Katalonien“

Ajaccio (Korsika) (APA/dpa) - Korsika wählt sein Regionalparlament neu. Auf der Insel haben nationalistische Kräfte zuletzt an Einfluss gewo...

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Ajaccio (Korsika) (APA/dpa) - Korsika wählt sein Regionalparlament neu. Auf der Insel haben nationalistische Kräfte zuletzt an Einfluss gewonnen, die mehr Eigenständigkeit gegenüber Paris fordern.

Es könnte eine Richtungsentscheidung sein für das schwierige Verhältnis zwischen Korsika und dem französischen Zentralstaat. Die Korsen wählen an diesem und dem nächsten Sonntag ihr Inselparlament neu - und falls die korsischen Nationalisten sich als stärkste Kraft behaupten, dürften ihre Forderungen nach mehr Autonomie neues Gewicht bekommen.

Man könne diese Erwartungen nicht weiter mit „Schweigen, Misstrauen, Verweigerung“ behandeln, fordert Gilles Simeoni, der Spitzenkandidat der Nationalisten. Ein Szenario wie in Spanien, das von den katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen in die Krise gestürzt wurde, droht Frankreich jedoch nicht. Die in einer vereinten Liste antretenden Nationalisten fordern keine Abspaltung von Frankreich.

„Korsika ist nicht Katalonien“, schrieb Simeoni in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Le Monde“. Die Situation sei weder demografisch, noch wirtschaftlich oder politisch zu vergleichen. Aber er will eine rechtlich verankerte Autonomie: „Wenn die Verfassung die Anerkennung eines Volkes nicht erlaubt, muss man die Verfassung ändern - und nicht das Volk auffordern, zu verschwinden.“

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Bestrebungen für mehr Eigenständigkeit gibt es auf Korsika seit Jahrzehnten, lange Zeit überschattet von Gewalt. In den vergangenen Jahren ist aber etwas in Bewegung geraten: 2014 hatte die Korsische Nationale Befreiungsfront FLNC die Waffen niedergelegt. Etwa zeitgleich gewannen nationalistische Kräfte politisch an Bedeutung - 2015 gewannen sie die Regionalwahl und wurden stärkste Kraft in der „Assemblea di Corsica“, dem Inselparlament. Und im vergangenen Juni gingen drei von vier korsischen Sitzen in der Pariser Nationalversammlung an die Nationalisten.

Grund für die vorzeitige Neuwahl des Inselparlaments ist, dass die Verwaltung Korsikas zum 1. Jänner eine völlig neue Struktur bekommt. Die beiden bisherigen korsischen Departements werden mit der bereits bestehenden Gebietskörperschaft Korsika zusammengelegt. Das neue Konstrukt hat rund 5.000 Mitarbeiter, das Inselparlament gewinnt dadurch erheblich an Bedeutung.

„Diese Wahl ist also entscheidend für die Zukunft Korsikas“, resümierte Jerome Fourquet vom Meinungsforschungsinstitut Ifop in „Le Monde“. Und die Nationalisten seien die Favoriten. Die Frage sei, was zwischen den beiden Wahlgängen passiere - ob sich beispielsweise die anderen Parteien zu einer „republikanischen Front“ zusammenschließen.


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