„Dialoge“: Mit Miroslav Srnka gelang dem Festival Publikumsnähe

Salzburg (APA) - Selbstverständlich wird der Titel des kleinen Festivals der Stiftung Mozarteum, „Dialoge“, immer wieder wörtlich genommen u...

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Salzburg (APA) - Selbstverständlich wird der Titel des kleinen Festivals der Stiftung Mozarteum, „Dialoge“, immer wieder wörtlich genommen und Miroslav Srnka zu seinem Selbstverständnis als Komponist befragt. Am gestrigen Freitag, dem zweiten Tag, geschah dies in einem Gespräch mit dem Salzburger Landesdirektor des ORF, Christoph Takacs. Srnka wünscht sich vor allem eine Umkrempelung des starren Konzertbetriebs.

In seinen pointierten, oft selbstironischen Antworten, die für viel Gelächter sorgten, wies Srnka darauf hin, dass etwa in Prag, woher er kommt, bereits ganz andere Konzertformen existierten. Man erreiche damit ein junges Publikum, das der zeitgenössischen Musik völlig unverkrampft gegenüberstehe. Er lobte die Programmatik der „Dialoge“, die genau in diese Richtung zielten.

Srnka braucht sich nicht um Anerkennung zu sorgen, er gehört zur Elite der Moderne und hat den Weg mit einem Oeuvre, das von der Kammermusik bis zum Musiktheater reicht, zum Publikum international längst gefunden. Die Bemühungen der „Dialoge“ um Lockerheit und Vielfalt der Veranstaltungsformen entsprechen genau Srnkas Wünschen. Kabarett, Kino, Workshops und manches mehr gehören dazu. Und die Zuhörer sind bereit zu folgen.

Die Feinabstimmung des Programms verdient hohe Anerkennung. So etwa gab es am Freitagnachmittag ein „Postkartenkonzert“ mit Liedern von Srnka, die sich auf Postkarten des Schriftstellers Jurek Becker beziehen. Zudem Lieder von Mozart, der ja ein eifriger Briefschreiber war. Der Dialog wird also innig auch mit der Vergangenheit geführt. Mozart muss sein.

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Am Abend, im Großen Saal des Mozarteums, in einem Konzert des fulminanten französischen Streichquartetts „Quatuor Diotima“, waren es Werke von Leos Janacek, die gefühlsstarken „Intimen Briefe“ und die „Kreuzersonate“, die andeuteten, dass die böhmische Musiktradition für Srnka relevant ist. Die Musiker des „Quatuor Diotima“ auf seiner Seite zu haben, ist für Srnka ein Glücksfall. Er ist mit dem Ensemble, auf das sich eine Reihe der profiliertesten Komponisten der Moderne verlässt, aufs engste verbunden. Seine Werke „Engrams“ und „Pouhou vlnou / Que unvague“, das sich auf Dvoraks „Rusalka“ bezieht, vermittelte das Quartett (gemeinsam mit dem Pianisten Wilhem Lathoumia) als eindringlich differenziertes Klangerlebnis. Mit betörendem Pianissimo ein durchscheinendes musikalisches Gewebe zu kreieren, ist eine Spezialität dieses Klangkörpers.

Die „Dialoge“ haben sich diesmal auch das „republic“ als Veranstaltungsort erobert. Dort traten am späteren Abend die „Grandbrothers“ auf. Erol Sarp saß am Flügel, während sein Partner Lukas Vogel nebenan reichhaltiges elektronisches Equipment bediente. Vogel ist der Techniker, der Klavierklänge zu fantastischen, oft orchestral wirkenden Tongebilden aufbläht und verfremdet. Das musikalische Material, das Sarp produziert, hört sich meist sehr schlicht an. Wichtig ist die Bühnenshow: Wabernde Nebelschwaden und wandernde Lichtkegel in verschiedenen Farben erwecken den Eindruck einer Hexenküche.

(S E R V I C E - www.mozarteum.at, 0662 / 88940-0)


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