Die AfD hat dazugelernt: Kein Streit mehr auf offener Bühne

Hannover (APA/dpa) - Die AfD will bei ihrem ersten Parteitag seit dem Einzug in den Bundestag unbedingt seriös wirken. Sie möchte nicht mehr...

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Hannover (APA/dpa) - Die AfD will bei ihrem ersten Parteitag seit dem Einzug in den Bundestag unbedingt seriös wirken. Sie möchte nicht mehr wahrgenommen werden als undisziplinierte Chaostruppe, die ihre Vorsitzenden mit Schimpf vom Hof jagt. Das gelingt im Saal auch recht gut. Selbst Parteichef Jörg Meuthen hält sich am ersten Tag zurück. Dafür rumort es hinter den Kulissen gewaltig.

Proteste vor der Tür verhindern den pünktlichen Beginn des Parteitags. Als es dann endlich losgeht, braucht der wie ein Wahlkampf-Spot inszenierte Eröffnungsfilm nur wenige Sekunden, um die Delegierten in Stimmung zu bringen: Erst stochert ein alter Mann in einem Mülleimer, dann kommen ein paar verschleierte Frauen und die Botschaft: „Wir wollen unsere Heimat zurück.“

Mit diesem Ton hat die AfD bei der Wahl im September 12,6 Prozent und damit einen Riesen-Erfolg eingefahren. Doch zwei Monate später sind die parteiinternen Machtkämpfe nicht zu übersehen. André Poggenburg, AfD-Landeschef aus Sachsen-Anhalt, will eigentlich, dass Jörg Meuthen die Partei künftig alleine führt. Trotzdem geht er überraschend auf Distanz zu seinem Antrag auf Abschaffung der Doppelspitze.

Im Saal werden verschiedene Theorien angeboten. Eine besagt, Meuthen soll im ersten Wahlgang ohne Gegenkandidaten gewählt werden. Danach könnten sich dann der von den Gemäßigten favorisierte Berliner Landeschef Georg Pazderski und weitere Kandidaten um den Posten des zweiten gleichberechtigten Vorsitzenden streiten. Sollte Pazderski nicht auf Anhieb eine absolute Mehrheit erhalten, könnte Fraktionschef Alexander Gauland doch noch antreten.

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Beim rechtsnationalen Parteiflügel ist Pazderski nicht nur unbeliebt, weil er Anfang des Jahres für ein Parteiausschlussverfahren gegen den Thüringer Partei- und Landtagsfraktionschef Björn Höcke gestimmt hatte. Höcke und seinen Unterstützern gefällt auch nicht, dass Pazderski seine Berliner Fraktion als möglichen Partner für CDU und FDP positioniert. Pazderski hatte in einem Positionspapier erklärt: „Die Berliner AfD ist bereit, über Blau-Schwarz-Gelb als politisches Zukunftsmodell für unsere Stadt nachzudenken.“

Meuthen will in seiner Eröffnungsrede dem Eindruck entgegenwirken, der Kampf um die Spitzenposten könne die AfD in eine neue Existenzkrise stürzen. Er sagt, die Partei sei seit dem Spaltungsparteitag von Essen im Sommer 2015 „klüger geworden“. Meuthen sagt: „Keiner von uns ist unersetzlich.“ Er weiß: Bescheidenheit kommt auf AfD-Parteitagen immer gut an.

Auch wenn offener Streit diesmal vermieden wird: Die Zeichen stehen auf Konfrontation. Höcke spricht sich zu Mittag dafür aus, ein zusätzliches Grußwort des niedersächsischen AfD-Landesvorsitzenden Paul Hampel auf die Tagesordnung zu setzen. Er leitet seine kurze Intervention ein wie ein Popstar: „Hallo Hannover!“ Die Mehrheit der Delegierten lehnt den Vorschlag trotzdem ab. Die Abstimmung ist ein Stimmungstest. Der rechte Parteiflügel verliert erst einmal.


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