Bischofsweihe bewegte nicht nur 8000 Gläubige in der Olympiahalle

In einer bewegenden, bunten und mit Spontanität gespickten Zeremonie wurde Hermann Glettler am Samstag zum 5. Bischof von Innsbruck geweiht.

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Knapp 8000 Gläubige erlebten in der Innsbrucker Olympiahalle in einer bewegenden Zeremonie die Weihe von Hermann Glettler zum Innsbrucker Bischof.
© TT/Michael Kristen

Von Marco Witting

Innsbruck – Zwölf Seiten hatte der Ablaufplan der fast dreistündigen Zeremonie für die Weihe von Hermann Glettler in der Olympiahalle Innsbruck. Ein strikter, genau einzuhaltender und mehrfach geprobter Plan. Doch es waren die spontanen Momente, die Gesten und das herzhafte Lachen des neuen Bischofs, die die Gläubigen in der Olympiahalle begeisterten – und sie zu spontanem Applaus und Jubel hinrissen. Ganz besonders war das zu spüren, als nach der eigentlichen Weihe Glettler auf dem Bischofsstuhl Platz nahm und urplötzlich der Applaus in der Halle aufbrandete. Der neue Bischof, der sich gerade hingesetzt hatte, stand wieder auf, legte seine rechte Hand auf sein Herz, war sichtlich gerührt und ergriffen. Wie auch schon zu Beginn der Messe, als ihm seine Mutter Maria, Vater Hermann und seine Taufpatin Martina Mack ein Kreuzzeichen auf die Stirn machten – und der 52-jährige Steirer seine Familie herzlich umarmte.

Vorgänger Manfred Scheuer und der neue Bischof Hermann Glettler: Scheuer ist sich sicher, dass sein Nachfolger "viel Freude bringen" wird.
© TT/Rudy De Moor

Den ersten spontanen Applaus hatte allerdings Salzburgs Erzbischof Franz Lackner erhalten, als er zu Beginn des Gottesdienstes sagte: „Innsbruck hat lange warten müssen.“ Viel weiter kam Lackner nicht – die Tausenden Gläubigen klatschten bereits. Es folgte der mehrfache Dank an den künftigen Bischofsvikar Jakob Bürgler, der die Diözese in der Sedisvakanz „gut geführt“ hatte, wie nicht nur Lackner in weiterer Folge erklärte. Bürgler war es dann auch, der mit den Worten „die Kirche von Innsbruck bittet dich, den Priester Hermann Glettler zu ihrem Bischof zu wählen“ um den päpstlichen Segen bat.

Es war ein bewegender Gottesdienst – in würdevollem Rahmen. Trotz der Größe der Halle. Trotz oder wahrscheinlich auch gerade wegen der fast 8000 Gläubigen, Hunderten Priestern und Ministranten herrschte freudige Stimmung und Andacht gleichermaßen. Altar und Ambo waren von schlichter Schönheit.

„Mit Gottes Hilfe bin ich bereit“, sagte Glettler dann auf die Fragen von Hauptkonsekrator, bevor er sich zur Allerheiligenlitanei auf den Boden legte. In aller Stille wurde dann kurz nach 13 Uhr durch das Handauflegen von Lackner und dessen Mitkonsekratoren Amtsvorgänger Manfred Scheuer und Wilhelm Krautwaschl die Weihe offiziell besiegelt.

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Bischof Hermann Glettler bei der berührenden Messe in der Olympiahalle anlässlich seiner Bischofsweihe.
© TT/Rudy De Moor

Es waren viele kleine Symbole, mit denen Glettler schon bei seiner Weihe Zeichen setzte. So wurde die zweite Lesung etwa vom evangelischen Superintendent Oliver Dantine vorgetragen, Heinz Schramm, seit 70 Jahren Diözesanpriester, überreichte den Ring. Die Afrikanische Gemeinde (Glettler leitete in der Steiermark 15 Jahre lang afrikanische Gottesdienste) war ebenso eingebunden. Beim Gabengang erklang Musik aus Afrika – und die Tausenden Gläubigen klatschten freudig und beseelt mit. Und ein deutliches Zeichen setzte der neue Bischof auch bei der Kommunion. Sein Weg führte ihn schnurstracks zu jenem Teil der Halle, in der Menschen mit einer Einschränkung den Gottesdienst verfolgten. Ihnen spendete der neue Bischof als Erstes die Kommunion.

Es gab Musik und Gaben der afrikanischen Gemeinde.
© Michael Kristen

Die musikalische Vielfalt, die sich Glettler gewünscht hatte, wusste zu gefallen. Und als Nuntius Peter Zurbriggen dann zu seinen Dankesworten ansetzte, waren die Gläubigen endgültig begeistert. „Ich wurde oft gefragt, warum das so lange gedauert hat“, sagte der Nuntius. „Meine Brüder und Schwestern, ich habe mich das auch gefragt.“

Der neue Bischof war dann erst am Ende des Gottesdienstes am Wort (die Rede von Steiermarks Landeshauptmann hatte er durch eine spontane Umarmung abgekürzt). Und schon hier bewies er, dass frischer Wind in die Diözese eingekehrt ist und die Weihe in der Olympiahalle mehr war als einfach eine größere Veranstaltung. Es war so etwas wie ein erster Aufbruch. An die Gläubigen, und vor allem an die Jugend, appellierte er, „das bequeme Sofa des Wohlstandes zu verlassen und sich in unsere Welt einzumischen“. Ganz nach seinem Bischofsmotto endete er schließlich mit: „Geht, heilt und verkündet!“

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