„Dialoge“: Die Natur als probate Inspirationsquelle für die Musik

Salzburg (APA) - Das Motto des Konzerts im Großen Saal des Mozarteums Salzburg am Samstag in dem von der Stiftung Mozarteum veranstalteten F...

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Salzburg (APA) - Das Motto des Konzerts im Großen Saal des Mozarteums Salzburg am Samstag in dem von der Stiftung Mozarteum veranstalteten Festival „Dialoge“ lautete „Naturphänomene“. Aus dem großen musikgeschichtlichen Repertoire, auf welches das Stichwort zutrifft, wurden Werke von Dvorak und Mendelssohn Bartholdy Arbeiten von Miroslav Srnka gegenübergestellt.

Es war eine Gegenüberstellung von Romantik und Moderne. Das Münchner Kammerorchester unter Clemens Schuldt zeigte Kompetenz für beide Bereiche. Früher wurden Konzerte dieser Art so programmiert, dass man ein Werk aus der Gegenwart in der Mitte des Programms platziert hat, umrahmt von Traditionellem, um dem Publikum Fluchtmöglichkeiten nicht so leicht zu machen. Derlei „Zwangsmaßnahmen“ sind natürlich bei einem Festival wie den „Dialogen“ unnötig. Die Zuhörer suchen die Möglichkeit, Tradition und Moderne vergleichen, Übereinstimmungen und Kontraste feststellen zu können.

Gelegenheit, sich in die Arbeitsweise des 42-jährigen tschechischen Komponisten Miroslav Srnka einzuhören, gab es in diesen Tagen ja schon mehrfach. Die kalkulierende, ja fast wissenschaftliche Herangehensweise ist für ihn typisch. In diesem Zusammenhang spielen Naturphänomene eine große Rolle. In dem Werk „Eighteen Agents“ für 19 Streicher geht es ihm um die Beobachtung von Schwarmbildungen in der Natur, etwa bei Fischen und Vögeln, die sich virtuos und elegant in Wasser oder Luft bewegen, mit einer Strategie, die größtmöglichen Schutz vor einem Angreifer bieten soll. Srnka verarbeitete diese Anregungen aus der Natur, die eine Fülle von „Spielmaterial“ bieten, frei in klangliche Phänomene.

Die zweite Komposition von ihm, „No light no land no sky“ für Kammerorchester, ist eine Vorstudie zu seiner Oper „South Pole“, die im Vorjahr als Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper uraufgeführt worden ist. Auch hier ging es ihm darum, die rigorosen „Naturphänomene“ nicht einfach abzubilden, sondern eine ganz persönliche Klangsprache dafür zu finden.

Dvorak und Mendelssohn Bartholdy, der eine in seiner Serenade E-Dur, op. 22, und der andere in der Konzert-Ouverture „Die Hebriden“, verfuhren zu ihrer Zeit unter dem Eindruck starker Natureindrücke ja nicht anders. Clemens Schuldts Wiedergabe mit dem Münchner Kammerorchester erklang durchaus sorgsam differenziert und ohne die Expressivität zu überziehen - als sollte ein in die Tradition eingeübtes Publikum nicht verschreckt werden. Miroslav Srnka wurde übrigens am Ende noch ausgiebig gefeiert.

(S E R V I C E - www.mozarteum.at, 0662 / 88940-0)


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