Neue Planungsideen für desolates Schlössl

Seit Jahren ist das Minkus-Schlössl mehr eine Ruine als ein Wahrzeichen von Schwaz. Eine erneute Widmungsänderung soll das Bauwerk beleben.

  • Artikel
  • Diskussion
Unterhalb des kleinen Minkus-Schlössls in Schwaz befindet sich eine große Parkanlage. Dort könnte eine Seniorenresidenz entstehen.
© Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz –Die Fensterläden fallen aus den Angeln. Der gelbe Putz bröckelt immer mehr. Vom einstigen Glanz ist beim Minkus-Schlössl in Schwaz kaum noch etwas zu sehen. 2012 hofften die Schwazer, dass der neue Schlossherr Christoph Gerin-Swarovski die alten Gemäuer aus ihrem Dornröschenschlaf weckt. Doch der Putz bröckelt auch heute noch.

Vor fünf Jahren keimte Hoffnung für das desolate Schloss auf. Es sollte zum Seminarzentrum des Swarovski-Konzerns werden. BM Hans Lintner glaubte damals daran, dass das Schloss vom „Schandfleck zum Schmuckkästchen“ wird. Daher widmete der Gemeinderat das Grundstück um. Vor allem die Änderung von Freilandfläche in Sonderfläche Parkanlage und die Angst vor großräumigen Baumaßnahmen sorgten damals für Kritik.

Vor Kurzem wurde die Widmung durch die Stadtgemeinde neuerlich verändert. Der Sonderfläche „Schlossanlage mit Wohnungen, Büro- und Seminarräumen“ wurde noch der Zusatz „und soziale Einrichtungen“ beigefügt. „Das Minkus-Schössl ist ein Projekt mit langer Vorarbeit“, sagte BM Lintner (VP) bei der Sitzung. Laut ihm solle die Möglichkeit für Seminarräume um eine Wohn- und Betreuungsanlage erweitert werden. Aber auch diesmal ging die Umwidmung nicht ohne kritische Worte vonstatten.

„Ich hege große Bedenken wegen unserer letzten Naturdenkmäler. Ich sehe eine große Gefahr für die dortigen Birkenbäume. Die sind sehr alt und in ihrer ökologisch wertvollsten Hochblüte“, sagte Grünen-StR Viktoria Gruber. Laut BM Lintner seien die Birken „weder alt noch gut“. Doch Gruber gehe es um die Biodiversität und neue Bäume könnten diese nie aufrecht erhalten. „Manche der Bäume dort sind nicht mehr in ihrer Blüte und müssen sicher entfernt werden“, sagte der Stadtchef. Die Grünen-Gemeinderäte stimmten gegen die Änderung des Flächenwidmungsplans. Doch die drei Stimmen waren zu wenig.

Was schlussendlich durch die neue Widmung dort entsteht, sei laut Baureferent Philipp Ostermann-Binder noch unklar: „Es ist noch nicht ganz klar, in welche Richtung die Planung gehen wird. Das obliegt den Eigentümern.“ Die Schwazer munkeln, dass dort eine luxuriöse Seniorenresidenz entstehen soll. Das wollte der Baureferent nicht bestätigen. Aber eine Entwicklung im Bereich Senioren sei durchaus eine Möglichkeit. Um das Naturdenkmal mache er sich keine Sorgen. Der Hügel mit den Bäumen sei geschützt und eine Bebauung entstehe wenn, dann im Bereich dahinter. „Bei der alten Widmung wäre eine Straße durch den Naturbestand gegangen. Das geht jetzt nicht mehr“, sagt Ostermann-Binder. Falls ein Baum aber marode sei und gefällt werden müsse, dann sei dies eine Entscheidung der Bezirkshauptmannschaft.

Ein wichtiger Aspekt für die neue Widmung sei laut dem Baureferenten, dass auch das desolate Schloss renoviert wird. „Wir sind glücklich, dass wir einen Eigentümer haben, der sich dafür interessiert und auch die Fähigkeit hat, das Schloss wieder herzustellen“, sagt Ostermann-Binder. Zeitlichen Druck für eine Umsetzung gebe es keinen.

Wie lange der Putz weiterhin von der Schlossfassade bröckelt, ist trotz neuer Widmung unklar. Die Schwazer müssen auf die Erneuerung ihres Wahrzeichens wohl noch warten.


Kommentieren


Schlagworte