Auf den Spuren eines Heiligen: Was es über Nikolaus zu wissen gibt
Ein Mann mit vielen Gesichtern: Rund 700 Nikoläuse ziehen heute Abend und morgen durch Tirol. Was es über den Heiligen mit dem Stab zu wissen und zu erzählen gibt.
Von Philipp Schwartze
Innsbruck — Edler Mantel, weißer Bart — der als angeblich kinderverschreckend immer wieder zur Diskussion steht —, ein Stab und ein Notizbuch über die Besuchten: Morgen ist es so weit, morgen steht wieder der Nikolaus vor der Tür. Als Vorbild, als Mahner und Erzieher und mit bedeutungsvollem Auftritt. Wo der Nikolaus überall seine Spuren oder seinen Namen hinterlassen hat, wieso er so viele chinesische Briefe bekommt und woher er eigentlich kommt.
1) Der Name: Niklas, Klaus, Nicola oder Nicole — die Namens-Variationen von Nikolaus sind vielfältig, bei einigen hört man die Modernisierung des klassischen Nikolaus heraus. Namenstag feiern sie alle gemeinsam, wie könnte es anders sein, am 6. Dezember.
Doch die Beliebtheit des Namens Nikolaus sinkt laut Statistik Austria: Lag etwa Nicole bei den beliebtesten Babynamen Österreichs im Jahr 1985 noch auf Rang vier, rutschte der Name in den folgenden Jahren erst auf Platz acht, schaffte es dann mit Rang zehn noch in die Top Ten, ehe er 1991 von „Anna" verdrängt wurde. Die moderne Nikolaus-Variation Niklas taucht zumindest in den 60 häufigsten österreichischen Vornamen seit 1984 auf Rang 28 auf, weit hinter Spitzenreiter David. In Tirol kam Niklas letztes Jahr auf Rang 31. Vom echten „Nikolaus" fehlt bei den häufigsten Namen jegliche Spur.
2) Die Orte: Auch örtlich hat der heilige Nikolaus in Tirol seine Spuren hinterlassen. Nicht nur zahlreiche St.-Nikolaus-Kirchen, auch der Innsbrucker Stadtteil St. Nikolaus sowie die Orte St. Nikolaus bei Ebbs bzw. Matrei in Osttirol zeigen den hohen Stellenwert des Heiligen.
3) Die Herkunft: Der weiße Bart verrät schon: Der Nikolaus ist alt. Seit dem 6. Jahrhundert taucht er in verschiedenen Legenden des Christentums auf. Die heutige Figur soll auf den Bischof von Myra, der im 4. Jahrhundert in der heutigen Türkei sein Amt ausübte, zurückgehen. Mehrere gute Taten werden dem Bischof von Myra zugeschrieben: So soll er die Mitgift dreier Mädchen durch ein Geschenk gesichert haben, Kaiser Konstatin im Traum zur Begnadigung unschuldiger Soldaten gebracht und Myra — das heutige Demre in der Türkei — vor einer Hungersnot gerettet haben.
Am meisten Ansehen genießt der heilige Nikolaus in Russland: Bei den Russisch-Orthodoxen ist er der beliebteste Heilige.
4) Die Briefe: Bekannt sind Briefe an das Christkind oder weiter im Norden auch an den Weihnachtsmann. Der sieht dem Nikolo zugegebenermaßen manchmal zum Verwechseln ähnlich. In St. Nikolaus im deutschen Saarland gibt es ein Weihnachtspostamt, in dem im Namen des Bischofs von Myra, also des echten Nikolaus, Briefe beantwortet werden. 21.000 Kinder aus mehr als 40 Ländern haben dort vergangenes Jahr hingeschrieben. Weil einige hundert Einsendungen jährlich aus China kommen, der örtliche Nikolaus aber die Sprache nicht spricht, liegt mittlerweile ein Antwortschreiben auf Mandarin bereit. Vielleicht lernt der Nikolo ja bald doch noch mehr Sprachen.
5) Die Aufgabe: Er ist der Schutzpatron der Kinder. Das „Anforderungsprofil" für den Nikolo-Job: Frohe Botschaft und kleine Gaben überbringen. Das oberste aller Ziele: Kinder (und auch Erwachsene) verzaubern. Ein leichter Job ist das nicht: Es gilt ein Vorbild zu sein — damit das Vertrauen in den Mann mit dem noblen Mantel, dem langen Stab und dem viel diskutierten weißen Bart nicht abreißt.