Wattens setzt Offensive für alternative Fortbewegung

Ein flächendeckendes E-Tankstellennetz, neue Sharing-Konzepte und Verkehrsberuhigung: Die Initiative „Mobilität Wattens“ hat große Ziele.

Neben E-Autos und Rädern stehen in Wattens künftig auch einspurige Elektro-Tuks zum „Teilen“ bereit – im Bild v. l. GF Dino Eicher vom Start-up „mov-e-now“, BM Thomas Oberbeirsteiner und GF Matthias Neeff (Destination Wattens).
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Von Michael Domanig

Wattens –Die Verkehrsbelastung in Wattens hat in den letzten Jahren stark zugenommen – wegen des steigenden Durchzugsverkehrs, aber auch wegen der hohen Zahl an Ein- und Auspendlern. Bis zu 14.000 Fahrzeuge rollen an Spitzentagen durch die Bahnhofstraße. Dieser Entwicklung will die Marktgemeinde in Kooperation mit der „Destination Wattens Regionalentwicklung GmbH“ – einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit der Firma Swarovski – auf mehreren Ebenen gegensteuern.

„Mobilität Wattens“ heißt die Initiative, die besonders Schritte Richtung alternativer Fortbewegung setzen will. Schon 2012 wurde das erste Elektrofahrzeug für den Gemeindefuhrpark angeschafft, seit 2016 dreht in Wattens das tirolweit erste Polizei-E-Mobil seine Runden. Vor allem aber wird die Ladeinfrastruktur für Elektroautos im gesamten Ortsgebiet massiv ausgebaut: „Wir nützen hier das besondere Umfeld in Wattens: Wir haben alle nötigen Protagonisten im eigenen Dorf“, betont BM Thomas Oberbeirsteiner. An der Offensive sind die ansässigen Firmen Swarco – als Hersteller der Ladesäulen –, Swarovski und Haim beteiligt. „Uns geht es darum, dass nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht, sondern ein Projekt über ganz Wattens gespannt wird“, führt Oberbeirsteiner aus. Somit sei Wattens für die Firma Swarco auch ein „Musterraum“, in dem sie ihre Möglichkeiten testen könne. Allein 2017 hat die Gemeinde für den Aufbau des E-Tankstellennetzes 150.000 Euro budgetiert, 2018 soll die Offensive weitergehen.

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Sechs „Zapfsäulen“ an fünf Standorten sind bereits in Betrieb: beim Start-up- und Gründerzentrum Werkstätte Wattens, in allen örtlichen Tiefgaragen, bei der Sporthalle und in der Swarovskistraße im Ortszentrum. Auch die Firma Swarovski stellt beim Business Building in Kürze die erste Säule auf. Überall dort kann Strom getankt werden – vorerst kostenlos. „Wir glauben, dass es anfangs eine Ermutigung zum Umstieg braucht, daher ist der Strom überall gratis. Das heißt nicht, dass das ewig so bleiben muss“, erklärt Matthias Neeff, Geschäftsführer der Destination Wattens.

„Wir wollen es so unkompliziert wie möglich machen, daher setzen wir auf ein einheitliches System“, ergänzt Oberbeirsteiner. Auch die bestehenden Säulen bei den Kristallwelten sollen darauf umgestellt werden. Weitere Stationen sind beim Schwimmbad oder der Post geplant, bis zu 20 Zapfsäulen könnte es in Wattens am Ende geben. Und: „Jeder interessierte Betrieb hat die Möglichkeit, sich zu beteiligen“, so Oberbeirsteiner, der klarstellt: „Geschäftsmodell ist das für die Gemeinde keines“.

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Die Förderung der E-Mobilität allein führe noch nicht zu einer Senkung des motorisierten Individualverkehrs, erläutert Neeff weiter. Daher startet die Initiative in den kommenden Monaten in einer Testphase mehrere „Sharing-Konzepte“: Zunächst werden über die Werkstätte Wattens zwei BMW-i3-Elektroautos zur gemeinschaftlichen Nutzung angeschafft. Sie können App-gesteuert reserviert werden (um drei Euro pro Stunde tagsüber). Danach ist eine Ausweitung auf Fahrräder und einspurige Elektrokleinfahrzeuge, so genannte E-Tuks, geplant. Ergänzend wird eine neue Mitfahrplattform namens „Umadum“ erprobt. Auch diese richtet sich laut Neeff ausdrücklich an die Allgemeinheit, nicht nur an die Community der Werkstätte Wattens – die freilich ein „gutes Testlabor“ darstelle.

Teil der Gesamtinitiative „Mobilität Wattens“ sind aber auch verkehrsinfrastrukturelle Maßnahmen in den nächsten Jahren: Geplant sind der Aufbau eines Radwegnetzes, Verkehrsberuhigung und die Schaffung von Begegnungszonen im Ortszentrum.

Die Gemeindepolizei ist schon seit 2016 e-mobil.
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