Tirol

Ein kleines Industrierevier aus der späten Bronzezeit

© Zwicknagl

Ein Schmelzofen und Teile eines Röstbettes werden im Keller des Brixlegger Bergbau- und Hüttenmuseums im Frühjahr aufgebaut.

Von Walter Zwicknagl

Buch i. T., Brixlegg –Auf einen Schmelzplatz aus der Spätbronzezeit stieß Hanspeter Schrattenthaler schon im Jahr 2006 bei einem Wegbau oberhalb der Burgruine Rottenburg auf Bucher Gemeindegebiet. Er publizierte das auch in Fundberichten Österreichs. „Bei den Ausgrabungen von Markus Staudt aus Rum und einem motivierten Team von Archäologiestudenten konnte jetzt ein kleines Industrierevier der frühen Metallgewinnung freigelegt werden“, freut sich Projektleiter Gert Goldenberg nach drei erfolgreichen Arbeitsjahren an der Fundstelle. Die Überreste von vier Schmelzöfen, mehreren Röstbetten, Mauerstrukturen, Gruben und einer Schlackenhalde konnten gesichert werden. „Keramikfunde sowie Radiokarbon-Datierungen an Holzkohle und Knochenfunden belegen eine Verhüttungsanlage des 11./10. Jahrhunderts vor Christus“, klärt der Experte auf. Gefördert wurden die Arbeiten des Forschungszentrums HiMAT an der Universität Innsbruck vom Wissenschaftsfonds FWF und Bundesdenkmalamt.

Zahlreiche naturwissenschaftliche Untersuchungen begleiten die archäologischen Forschungsarbeiten. „Am Ende des Projekts haben wir wertvolle Informationen zur Bergbau- und Verhüttungstechnologie der späten Bronzezeit, zur damaligen Arbeits- und Lebenswelt der Berg- und Hüttenleute sowie zur Bedeutung der frühen Kupferproduktion im Raum Schwaz-Brixlegg“, berichtet Goldenberg, der schon im Jahr 1994 im Maukengraben in Radfeld nach Bergbauspuren suchte und dort ebenfalls auf einen Schmelzplatz stieß. Im Unterland gebe es jetzt zwei solche Schmelzplätze.

Markus Staudt in einer prähistorischen Fahlerzgrube am Kleinkogel (links) und Archäologen beim Dokumentieren der Ofenanlage.
© Goldenberg

Geschäftiges Treiben herrschte in den vergangenen Monaten im Berghaus in St. Gertraudi. Dort wurden Steine vom Schmelzplatz in Buch gewaschen, zerbrochene Steine wieder zusammengefügt und für den Abtransport ins Brixlegger Bergbau- und Hüttenmuseum vorbereitet. Besuch gab es dabei vom Brixlegger BM Rudi Puecher.

„Schon im Sommer wurde beschlossen, den am besten erhaltenen Schmelzofen und einen Teil eines Röstbettes zu bergen und im Museum in Brixlegg wieder aufzubauen“, erzählt der Experte. „Das erfolgt im Rahmen eines Praktikums mit Studierenden der Universität Innsbruck unter Gert Goldenberg und Roman Lamprecht (Kundl). 40 Kisten, gefüllt mit Steinen vom Fundort und rund 100 Kübel Originallehm vom Ausgrabungsplatz kommen ins Museum. Dort kommt es im Frühjahr 2018 zur Rekonstruktion“, erklärt Gerold Sturmmair als Obmann des Bergbau- und Hüttenmuseums und engagiertes Mitglied der Bergbau-Aktivgruppe, die schon viele Fundstücke aus den Stollen holte. Weitum gebe es kein Museum mit einem solchen Originalbefund, meint er stolz. Bis zur Saisoneröffnung des Brixlegger Museums im Mai 2018 ist das Projekt abgeschlossen.

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