Hidden Track

Eine Schnitzeljagd für Semiologen

© jarosch

Das als Performance zweiter Ordnung getarnte Stück „Hidden Tracks“ sucht einen versteckten Text über versteckte Lieder – und behält dabei den Überblick.

Innsbruck –Auf dem Album „Abbey Road“ (1969) versteckten die Beatles nach dem letzten Song – „The End“ – einen weiteren namens „Her Majesty“. Bereits zwei Jahre zuvor presste die Band nebst einem nur für Hunde vernehmbaren Pfeifton auch den Zweisekünder „Sgt. Pepper’s Inner Groove“ in die Auslaufrille von „Sgt. Pepper’s Loneley Hearts Club Band“. Beide Experimente gelten als frühe Beispiele für so genannte „Hidden Tracks“ – und markieren den Beginn einer bisweilen ins Okkulte kippenden Beschäftigung mit den Geheimnissen der Popmusik.

Diese nimmt das derzeit in Innsbrucks Freiem Theater „Brux“ zu sehende Stück „Hidden Track“ als Ausgangspunkt für eine ziemlich hintersinnige und äußerst komische Wissenschaftssatire. Dafür spannen Autor Martin Fritz und die Regisseurin Michaela Senn den Mythos „verstecktes Lied“ mit einem inzwischen selbst zum Mythos gewordenen Mythenforscher zusammen. Ausgerechnet der französische Denker Roland Barthes soll als Erweiterung seiner „Mythen des Alltags“ Überlegungen über die Funktionsweise und Bedeutung von „Hidden Tracks“ angestellt haben. Doch ausgerechnet von diesem Text fehlt jede Spur. Wurde er verloren? Hat ihn der Autor, ihn verworfen? Oder hat er ihn – gewissermaßen als „Hidden Track“ – ins Buch geschmuggelt?

Drei Mythenjäger (Daniela Bjelobradic, Martin Fritz, Elena Ledochowski) machen sich unterstützt von einer Archivarin (Tamara Burghart) auf die Suche nach dem verlorenen Kapitel. Genauer gesagt: Sie stellen diese Suche – sie führt unter anderem nach Paris, Berlin und Frankfurt – als begleitende Performance einer Fundstück-Ausstellung (Ausstattung: Katharina Ganner) nach. Noch genauer: Sie erarbeiten die Performance im Moment der Aufführung. Zu sehen bekommt man also eine als Performance zweiter Ordnung getarnte Schnitzeljagd, die darüber nachdenkt, was eine Schnitzeljagd ausmacht. Frei nach Barthes: „Ein semiologisches Abenteuer“. Das klingt kompliziert – und ist es bisweilen auch. Aber es ist eben auch äußerst anregend und ziemlich lustig: Slapstick für Strukturalisten. (jole)

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