Kanzler Kurz: Rückkehr in das Kreisky-Zimmer
Kurz verlässt das „Metternich-Zimmer“ — und verlegt sein Büro in das „Kreisky-Zimmer“, wie das historische Kanzlerzimmer genannt wird.
Von Michael Sprenger
Wien — Es war die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die vom „jungen Herrn Metternich" schrieb und damit Sebastian Kurz meinte. Das war noch lange vor dem Wahlerfolg des neuen ÖVP-Obmannes. Kurz weiß, was ihm nützt und schadet, er kennt sich mit symbolischer Wirkung aus. Fürst Metternich, Staatsmann des 19. Jahrhunderts, war in seiner Amtszeit gefürchtet wegen seines Spitzelsystems und seiner Politik der Restauration. Sein Büro in der Staatskanzlei, dem heutigen Bundeskanzleramt, heißt immer noch „Metternich-Zimmer".
Es war Wolfgang Schüssel, der als Wende-Kanzler im Jahre 2000 dieses lichtdurchflutete Zimmer im südlichen Trakt als sein Kanzler-Büro auserwählt hatte. Alle seine Nachfolger taten es ihm gleich.
Nicht so Kurz. Er verlässt das „Metternich-Zimmer" — und verlegt sein Büro in das „Kreisky-Zimmer", wie das historische Kanzlerzimmer genannt wird. Der legendäre Bundeskanzler Bruno Kreisky setzte sich immer wieder in seiner unnachahmlichen Art mit dem Ambiente seines Büros auseinander. Er nannte es „Zigarren-Kistl", der düstere holzgetäfelte Stil war für ihn Ausdruck eines „Handelskammer-Barocks".
Dies alles scheint Kurz egal zu sein. Er lobt die Außenpolitik Kreiskys, weiß um dessen noch heute vorhandene Wirkkraft in der Welt.
So wollte es das Drehbuch des jungen Kanzlers, dass er ausgerechnet die israelische Botschafterin Talya Lador-Fresher am Dienstag als ersten ausländischen Gast in seinem Büro (in dem noch ein Porträt des roten Kanzlers mit jüdischen Wurzeln hängt) begrüßen konnte.
Kurz versicherte der Botschafterin seine positive Haltung und die seiner Regierung gegenüber Israel. Zugleich versuchte er, die Kritik an den Freiheitlichen zu zerstreuen.