Einstimmung auf Weihnachten in Oberhofen
Die Jugend hält in Oberhofen alte Bräuche hoch – wie zurzeit das Anklöpfeln.
Von Martina Schratzberger
Oberhofen –Auch wenn es für die jungen Leute durchaus stressig werden kann, die vielen Termine im Sinne der Volkskultur einzuhalten: Sie leben die Bräuche ihrer Mütter und Väter. Ganz nebenbei nähern sie sich der Weihnacht, nicht nur im Kalender.
Vor wenigen Tagen schlüpften sie wieder in ihre Gewänder: Die Anklöpfler sind in vielen Ortschaften Tirols unterwegs. In Oberhofen sind es drei Gruppen, die als Hirten verkleidet durch den Ort ziehen und bei den Häusern und Höfen die frohe Botschaft auf dem Feld verkünden. Fast jeden Tag sind sie bis Weihnachten im Einsatz.
Weniger verbreitet, aber gut fürs Herz erscheint der Brauch, dem die Mädchen der Oberhofer Landjugend nachkommen: das Herbergsingen. Die jungen Frauen wurden vor wenigen Tagen beim Hochfest Mariä Empfängnis in der Kirche gesegnet. Seither bringen sie mit ihrem Gesang und der Mutter Gottes Segen in die Häuser. Die Statuen werden für ein, zwei Tage dort gelassen, ehe sie geholt und ins nächste Haus gebracht werden. Freilich sind die Termine engmaschig gesteckt und nehmen Zeit in Anspruch. Doch die jungen Damen sind sich einig: „Wir haben uns schon richtig auf die besinnliche Zeit und das Herbergsingen gefreut und es ist ein guter Weg, etwas Ruhe einziehen zu lassen, in sich selbst und in die Häuser.“
Der erste Nachweis des Anklöpfelns stammt übrigens aus dem 15. Jahrhundert, ausgehend von der klösterlichen Tradition, das baldige Kommen des Heilands zu verkünden. Verkleidete Gestalten, Bettler und Kinder gingen von Haus zu Haus und brachten Segenssprüche und Glückwünsche dar. Dafür erhielten sie Essen und sogar etwas Geld.