Hoffen auf Kompromiss bei Plastikmüll-Entsorgung in Völs
Kritiker orten in Völs eine „eklatante Serviceverschlechterung“, weil die Plastik-Container nunmehr auf der Straße bereitgestellt werden müssten.
Völs – Die Entsorgung von Leichtverpackungen, also Plastikmüll, sorgt aktuell in Völs für Debatten. Seit 1993 hatte die ortsansässige Firma Haberl die Rücksammlung durchgeführt, als Subunternehmer der Höpperger Recycling GmbH aus Rietz, die ihrerseits Regionalpartner der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) ist. Im November teilte die Firma Höpperger mit, dass sie das Sammelgebiet Völs künftig selbst übernehmen und die Kooperation mit dem Subpartner beenden werde. Auch wenn der Völser Gemeinderat einstimmig dafür eintrat, dass die Entleerung der Container weiterhin durch die Firma Haberl erfolgen solle, ist der Wechsel mit Jahresanfang erfolgt.
GR Franz Köfel (Team Köfel) ortet nun eine „eklatante Serviceverschlechterung“. Denn die Firma Höpperger sei nicht bereit, die Container in den großen Wohnanlagen selbst abzuholen und nach Entleerung wieder zurückzustellen – wie das Haberl getan hatte –, sondern verlange, dass diese auf den Straßen bereitgestellt werden müssen. „Wir müssten nun also für eine Leistung, die wir 24 Jahre lang hatten, plötzlich um zusätzliches Geld Hausmeisterdienste beauftragen“, ärgert sich Köfel.
Auch BM Erich Ruetz erwartet sich von der Firma Höpperger „das gleiche Serviceangebot wie bisher“, man hoffe „immer noch auf einen Konsens“. Zugleich gelte der Dank der Firma Haberl, diese habe „viele freiwillige Zusatzdienste“ übernommen – etwa zusätzliche Entleerungen bei starken Überfüllungen.
GF Thomas Höpperger stellt auf TT-Anfrage klar, dass es sich bei der Entsorgung nicht um einen Auftrag der Gemeinde, sondern um einen privatwirtschaftlichen Auftrag der ARA handle. Und in der Ausschreibung stehe „explizit, dass die Behälter am Straßenrand bereitzustellen sind. Indem wir sie leeren, erfüllen wir den Auftrag der ARA also zur Gänze.“ Was die Firma Haberl mit Hausverwaltungen eventuell an Zusatzvereinbarungen getroffen habe, wisse er nicht, so Höpperger. Im Übrigen sei man für mehrere Tiroler Bezirke inklusive Innsbruck zuständig – und dort gebe es keine Probleme.
„Was der Subpartner die letzten Jahre über in Völs gemacht hat, war so nie von uns beauftragt“, bestätigt ARA-Prokurist Erwin Janda. „Wir haben als Standard festgesetzt, dass die Behälter an der Grundstücksgrenze übernommen werden.“ Ansonsten „wäre das ein ganz anderer Leistungsumfang – und die Firma Höpperger müsste auch anders kalkulieren“. Auch Janda hofft aber auf einen Kompromiss – etwa, dass „gewisse Behälter, die zugänglich sind“, eventuell doch geholt werden.
Der bisherige Subpartner Friedrich Haberl ist hingegen der Ansicht, „dass das ARA-System eine gleichbleibende Servicequalität garantieren muss. Schließlich zahlt der Konsument beim Kauf jeder Plastikflasche ja die Entsorgung schon mit. Verlierer ist für mich der Völser Bürger.“
Für Alfred Egger, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Tirol Mitte GmbH, die in der Sache zu vermitteln versuchte, ist der „Servicerückschritt nach 24 Jahren“ ebenfalls unverständlich – auch wenn die in Völs geübte langjährige Praxis anderswo nicht Standard sei. „Aber wenn der Subpartner das mit dem Geld, das er für die Dienstleistung erhielt, geschafft hat, muss dies auch dem Regionalpartner möglich sein“, findet Egger. Auch auf Landesebene bestehe „breiter Konsens, dass bisherige Standards bei einer neuen Ausschreibung beibehalten werden sollen“. Für eine mögliche Kompromisslösung verweist Egger auf Jenbach: „Container, die leicht zugänglich sind – und das sind rund zwei Drittel –, werden dort vom Regionalpartner abgeholt.“ (md)