78. Hahnenkammrennen

Irgendwie geht‘s in Kitzbühel auch um die Wurst

Massenphänomen – 50.000 Fans pilgerten im Vorjahr alleine zur Abfahrt. Insgesamt kamen inklusive Europacuprennen am Montag stolze 98.000 Zuschauer. Nur 1999 waren es noch um 1000 mehr.
© Thomas Böhm

Die gefährlichste Abfahrtsstrecke, das höchste Preisgeld, die meisten Fans – um Superlative müssen sich die Hahnenkamm-Rennen längst nicht mehr sorgen. Einzig das Wetter könnte die Feierlaune etwas trüben.

Von Max Ischia

Kitzbühel – Was machte Axel Naglich am Tag vor dem ersten – aufgrund der Wetterprognose auf 10.15 Uhr vorverlegten – Training auf der Kitzbüheler Streif? Er machte sich „nützlich“, wie er meinte. Der Rennleiter am Hahnenkamm betätigte sich kurzerhand beim Europacup-Riesentorlauf in Kirchberg als Rutscher. Keine fünf Meter neben ihm stand Michael Huber, seines Zeichens Präsident des Kitzbüheler Ski Clubs (K.S.C.) und seit 1991 Organisationsschef der Hahnenkamm-Rennen. Warum auch nicht. Erstens hilft man sich innerhalb der Skifamilie und zweitens waren die Hausaufgaben rund um die 78. Hahnenkamm-Rennen so gut wie erledigt. Auch die Präparation der noch „sehr griffigen“ (O-Ton Naglich) Streif verlangte höchstens noch nach kosmetischen Korrekturen. Dazu winterliche Temperaturen und ein strahlend blauer Himmel. Kurzum: Es war angerichtet für eine Rennsportwoche, die Jahr für Jahr Heldensagen schreibt.

Weil die Wetterfrösche ein recht hartnäckiges Tiefdruckgebiet voraussagen, wurde das für heute auf 11.30 Uhr angesetzte Auftakttraining auf 10.15 Uhr vorverlegt. Zumal es mit Fortdauer des Tages nicht besser werden soll. „Ein Wintertag halt“, wie Huber emotionslos klarstellte.

47 Millionen Euro Gesamtumsatz

Losgelöst von etwaigen Wetterturbulenzen rüstet sich eine Region für das alljährliche Millionenspektakel. In der Kitzbüheler Fußgängerzone herrschte gestern Nachmittag noch die sprichwörtliche Ruhe vor dem Ansturm der Menschenmassen. Als Antithese zur dreitätigen Dauerbeschallung für die knapp 100.000 erwarteten Ski-Fans, VIPs, Stars, Sternchen und Partytiger besang Straßenmusikant Klaus zwischen Nobelboutique und Nobeljuwelier eine bessere Welt („Imagine“). Es wird das einzige Kitz-Gastspiel des gebürtigen Dänen in dieser Woche sein, wie er versicherte.

Balthasar Hauser (Stanglwirt), Arnold Schwarzenegger und Andreas Gabalier auf der Weißwurstparty im vergangenen Jahr.
© gepa

Die Euro-Münzen, die da samt einer Thermoskanne in dessen Spendenhut lagen, werden wohl nicht zu dem in dieser Woche im Großraum Kitzbühel erwirtschafteten Gesamtumsatz von 47 Millionen Euro gezählt werden. Das Veranstaltungsbudget beläuft sich auf 7,5 Millionen Euro, wobei ziemlich genau die Hälfte in Piste und Stadion fließt. Fernsehrechte und Sponsoren decken jeweils zwischen 35 und 40 Prozent ab, 20 bis 25 Prozent generiert der veranstaltende Kitzbüheler Ski Club über Eintrittsgelder. 45 TV- und 30 Radiosender garantieren Internationalität und in Österreich zählen die Rennen, allen voran die Abfahrt, zu den Quotenrennern (rund 1,5 Millionen Zuseher).

Promi-Auflauf garantiert

Wer mit Sport nicht so viel am Hut hat, dem wird in Kitzbühel auch geholfen. Auch wenn er über einen gewissen Promi-Status oder das nötige Kleingeld verfügt. Allein für die – längst ausverkaufte –„Kitz Race Night“ im Nobel-Zelt am Fuße der Streif muss man einen Tausender hinblättern. Während des Wochenendes warten u. a. 800 Hummer, 60 Kilo Lammrücken oder 500 Kilogramm Uruguay Beef auf hungrige Mägen. Wer einen Faible für Weißwürste hat, der drängt sich am Freitag beim Stanglwirt um den kupferfarbenen Kessel und ergattert mit etwas Glück einen Schnappschuss von Arnold Schwarzenegger. Nicht mehr wegzudenken ist freilich auch die KitzCharity-Trophy im Anschluss an die samstägige Abfahrt, zu der neben bewährter Rennleitung (Niki Lauda, Bernie Ecclestone) auch Formel-1-Jungstar Max Verstappen und MotoGP-Vizeweltmeister aufs Gaspedal drücken werden – für den guten Zweck.

Von wegen den Hut aufhaben – für dieses rotweißrote Quintett hieß es im Vorjahr „gams oder gar nicht“.
© Thomas Böhm