Geburten im Außerfern wieder historisch tief
Die Trauungen im Standesamtsverband Reutte erreichten 2017 den Höchststand seit 30 Jahren. Jedes zweite Baby mit „Auslandsberührung“.
Von Helmut Mittermayr
Reutte –Jeden Tag kommt am Bezirkskrankenhaus Reutte schon lange kein Baby mehr zur Welt, das war 1998 das letzte Mal der Fall. Die Quote im Jahr 2017 betrug 0,75. Anders gesagt: In einem Zeitraum von vier Tagen erblickten in Ehenbichl durchschnittlich drei Kinder das Licht der Welt. 275 Kinder wurden in Kreißsälen des BKH Reutte geboren, weitere vier (im Einzugsgebiet des Standesamtsverbands Reutte) im Zuge einer Hausgeburt. Nicht erfasst sind hier die Hausgeburten der weiteren fünf Standesämter Vils, Tannheim, Ehrwald, Weißenbach und Elbigenalp. Die Zahl dürfte aber verschwindend klein sein. Bei den 279 Geburten im Standesamts- und Staatsbürgerschaftsverband Reutte hielten sich Männlein (139) und Weiblein (140) die Waage.
Standesamtsleiter Günther Mair hat wie alle Jahre Freude, Zweisamkeit, Jubel und Trauer in Zahlen gegossen. Für ihn ist die hohe Zuwendung werdender Mütter zum Bezirkskrankenhaus Reutte „trotz Werbung für die Hausgeburten nicht überraschend. Die Wochenstation hat einen einmaligen Ruf. Wir bekommen von den jungen Eltern hier viel Feedback und größtes Lob für die Abteilung.“ Dass mit 279 Geburten der zweitniedrigste Wert seit Jahrzehnten erreicht wurde, gibt nicht nur ihm zu denken. „An die Arbeit, ein Aufruf!“, nimmt es Günther Mair von der humorigen Seite.
Von den 279 „Neuzugängen“ haben fast 82 Prozent die österreichische Staatsbürgerschaft. Die Zahl ist laut Mair aber wenig aussagekräftig, weil auch Doppelstaatsbürgerschaften und Mischehen eine Rolle spielen. Er rechnet hoch, dass die Hälfte der Neugeborenen in irgendeiner Form „Auslandsberührung“ haben. 15 Neuankömmlinge sind Deutsche, elf tragen die afghanische Staatsbürgerschaft, acht die türkische. Syrien, Saudi-Arabien, USA, Somalia, Ungarn, Polen – die demografische Landkarte ist weltläufig. Die Wohnorte der Neuankömmlinge nach der Menge abfallend: Reutte (65), Lechaschau (21), Pflach (17), Ehrwald, Lermoos und Tannheim je elf, Elbigenalp und Breitenwang je zehn, Wängle und Weißenbach je neun.
Ronja und Emma (je 4) sind die Shootingstars 2017 der weiblichen Vornamen im Bezirk. Weiters folgen Hira, Ella, Valentina, Laura, Leonie und Amelie mit drei Nennungen, Helena und Hanna mit zwei. Je sechs Buben hören auf den Namen Maximilian und Elias. Beliebt war auch Josef mit vier Nennungen und Benjamin, Emilian, Jakob, Emil, Fabio, Raphael und Noah mit drei.
88 Trauungen bedeuteten 2017 ein Allzeithoch. Zumindest fand Günther Mair beim Rückblick auf die letzten 30 Jahre keine höhere Bereitschaft, Ja zu sagen. 22 Eheschließungen fanden auf der Klause statt, 66 im Gemeindeamt Reutte. Hinzu kommen eine eingetragene Partnerschaft zweier Frauen und 19 im Ausland geschlossene Ehen. Der älteste Verlobte war 75, die älteste 67. Der jüngste Mann 20, die jüngste Frau 19. Der größte Altersunterschied betrug 19 Jahre.
Auffällig bei den 175 Sterbefällen: Die Zahl der zu Hause Verstorbenen (39) hat zugenommen. Ein Zeichen für die Ausweitung der mobilen Heimpflege. 93 Personen starben im BKH, 35 in Heimen.