Tiroler Hoteliers beklagen hohe Personalkosten

Die Arbeitskosten in der heimischen Hotellerie sind seit der Krise stark gestiegen, zeigt eine Wifo-Studie. Touristiker fordern bessere Rahmenbedingungen.

Hoteliers in Tirol suchen händeringend nach Köchen.
© Getty Images

Wien –Die Tourismusumsätze in Österreich wachsen stetig, die Erträge hinken jedoch hinterher. Ein Grund dafür sei unter anderem die Entwicklung der Personalkosten in den vergangenen Jahren, erklärte gestern Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung beim Hotelierkongress in Wien. Sie beruft sich auf eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo). Die Mitarbeiterkosten machten im Jahr 2014 im Schnitt 35 Prozent des Umsatzes aus – der Zielwert liege bei 30 Prozent.

„Das Problem ist weniger das Lohnniveau, sondern die Entwicklung“, sagte Studienautor Oliver Fritz. Während die Inflation zwischen 2008 und 2016 im Schnitt pro Jahr um 1,6 Prozent gestiegen ist, legten die Arbeitskosten mit 5,6 Prozent jährlich deutlich stärker zu. In der EU erhöhten sich die Personalkosten im Untersuchungszeitraum im Schnitt um nur 1,8 Prozent pro Jahr, bei einer Inflation von 1,4 Prozent. Nur in Belgien, Dänemark, Finnland, Schweden und Italien seien die Arbeitskosten höher, sagte Fritz.

Ein Faktor für die gestiegenen Arbeitskosten ist der Fachkräftemangel. Die heimischen Tourismusbetriebe müssen besser zahlen, denn sie suchen händeringend nach Mitarbeitern. Auf permanenter Personalsuche sei man aber „nicht, weil uns die Leute davonlaufen, sondern weil die Branche wächst“, betont Reitterer.

Die Nächtigungserlöse stiegen zwischen 2008 und 2016 jährlich um 2,4 Prozent, diesen hinken jedoch die Gewinne mit 1,2 Prozent deutlich hinterher. Hier würden sich die „politisch verordneten Kostenanstiege“ bemerkbar machen, sagte Reitterer, die auf die Streichung der Energieabgabenvergütung und die Einführung der Auflösungsabgabe verwies.

Die ÖHV-Chefin fordert von der Politik bessere Rahmenbedingungen für die Hotellerie. „Die Alternative dazu ist Arbeitsplatzvernichtung im wirklich großen Stil.“ Die von der Regierung angekündigte Senkung der Steuer- und Abgabenquote auf unter 40 Prozent sowie die Entlastung des Faktors Arbeit und die Rücknahme der Umsatzsteuererhöhung bezeichnete Reitterer als wichtige Schritte zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Ebenso die angekündigte Tourismusstrategie und regionalisierte Mangelberufslisten.

Kritisch beurteilt die Gewerkschaft (ÖGB) die Wifo-Studie, die im Auftrag der ÖHV erstellt wurde. „Das Märchen von der Überbezahlung der Tourismusbeschäftigten basiert zum großen Teil auf den geleisteten Mehr- und Überstunden, die natürlich entsprechend entlohnt werden müssen“, sagt Tirols ÖGB-Chef Philip Wohlgemuth. „Zu viel verdient hier sicher niemand, ganz im Gegenteil.“ (ecke)


Kommentieren


Schlagworte