Dorfberg bei Kartitsch: Wo der kleine Bär einst war
Skitourengehen, Schneeschuh- und Winterwandern: Sogar langlaufen kann man am Dorfberg bei Kartitsch in Osttirol. Wir waren dort auf Erholungsausflug – mit den Tourenskiern.
Kartitsch – Erinnern wir uns an die beiden vergangenen Winter in Osttirol zurück: Irgendwie hatte Frau Holle auf die Osttiroler vergessen. Selbst in den an und für sich schneesicheren Regionen, speziell in jenen des Gail- bzw. Lesachtales, hatte es kaum weißen Niederschlag gegeben.
Wer momentan hingegen am Weg von Tassenbach hinauf in Richtung Kartitsch (Kartitscher Sattel) bzw. Obertilliach unterwegs ist, muss sich mit seinem Auto teilweise durch meterhohe Schneewände schlängeln. Um es auf den Punkt zu bringen: Im Gail- und Lesachtal bzw. in vielen, vor allem höher gelegenen Gebieten Osttirols präsentiert sich der Winter so, wie ihn die Osttiroler eigentlich gewohnt sind: tief winterlich nämlich.
Deshalb führt unser Tourenausflug dorthin: Genauer gesagt nach Kartitsch, von wo aus unser Aufstieg auf den Dorfberg, quasi auf den Hausberg der Kartitscher, führt. Mit 600 Höhenmetern und einer Gehzeit von ca. 2 Stunden (ab Kartitscher Sattel) zeigt sich diese Tour zwar als kurz und einfach, dafür überzeugt sie insbesondere landschaftlich.
Vielleicht erinnern sich noch einige an den Film „Der Bär“ aus dem Jahr 1988 zurück (Originalsprache französisch „L’Ours“), der von einem kleinen Bären und dessen abenteuerlichem Leben erzählt? Einige Szenen dieses Spielfilmes wurden am Dorfberg, also genau dort, wo wir mit unseren Tourenskiern zauberhafte Spuren in den Schnee ziehen, gedreht und verfilmt.
So kommt man hin: Doch nun zur Tour. Wie so oft führen mehrere Wege nach oben. Wir entscheiden uns, vom Kartitscher Sattel auf den Dorfberg aufzusteigen. Leider ist bei der „Grandla Schupfe“ – so nennen es die Einheimischen – die Parkplatzkapazität begrenzt: Mehr als fünf Autos finden hier nicht Platz.
Tourentipp online
Den Track für die Tour finden Sie unter www.tt.com/lebensart oder direkt unter http://bit.ly/2rivYP7
Deshalb ein kleiner Tipp: Im Ortsteil Rauchenbach, kurz vor dem Kartitscher Sattel, gibt es einen großen und kostenfreien Parkplatz (Gasthaus Klammerwirt). Von hier aus führt eine Forststraße weg und trifft sich mit dem Weg, der von der „Grandla Schupfe“ hinauf zum Dorfberg führt.
Alle Wege sind gut beschildert und die Orientierung zu verlieren, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit – zumindest im Wald. Bei dichtem Nebel ist ab der Baumgrenze am Weg zum Dorfberg allerdings Vorsicht geboten.
Zurück zur Tour: Wir starten unseren Aufstieg am Kartitscher Sattel und folgen den Spuren zuerst über Wiesen, später durch den Wald hinauf. Alternativ gibt es auch vom Kartitscher Sattel einen Forstweg, der bis oberhalb der Baumgrenze führt. Dieser Zustieg ist weniger anstrengend, naturschonender und präpariert. Der Wald lichtet sich und vor uns stehen die weiten Almenflächen, die so genannten Breitwiesen.
Schmucke kleine Heuhütten zieren das Landschaftsbild. In weit gezogenen Kurven bringt uns der weitere Anstieg sanft und unschwierig zum Gipfelkreuz unseres Zieles auf 2115 Metern. Wer bei schönem Wetter und vielleicht frischem Pulver über diese Almen wandern darf, weiß spätestens jetzt, warum sich diese Tour das Prädikat „wunderschön“ verdient hat.
Es ist Mittwoch. Das Mesner-Hüttl, das von Heinz und Patricia Bodner bewirtschaftet wird, hat geöffnet. Und zu diesem Einkehrschwung müssen wir unbedingt hin.
Über die Almwiesen ziehen wir vom Gipfel weg einige lässige Pulverschwünge in den Schnee, bis wir wieder die Waldgrenze erreichen. Über die Langlaufloipe geht’s – aufgefellt in ca. zehn Minuten – hinaus (Richtung Westen) zum Mesner-Hüttl.
Der Weg zur Hütte ist immer wieder beschildert. Der Besuch dieser urigen Hütte zahlt sich allerdings wirklich aus. Erstens ist die Hütte wunderschön gelegen auf einer sonnigen Waldlichtung, zweitens ist der Blick auf Teile des Karnischen Kammes mit seiner Bergwelt einzigartig.
Beim Mesner-Hüttl kommt man auch vorbei, wenn man vom Lift in St. Oswald aus auf den Dorfberg aufsteigt. Für Tourengeher wurde hier eine kostenlose Touren-Aufstiegsroute angelegt. Doch von der Bergstation über den flachen Rücken des Dorfberges hinein ist es ein ziemlicher Hatscher. Auch Langläufer, die auf der Höhenloipe am Dorfberg unterwegs sind, können sich beim Mesner-Hüttl stärken.
Wir verabschieden uns von Heinz und Patricia und starten in die Abfahrt.
Naheliegend ist, so ins Tal abzufahren, wie man aufgestiegen ist. Apropos Höhenloipe: Wer Interesse hat, auf knapp 2000 Metern seine Langlaufskier auszupacken, für den besteht die Möglichkeit, mit einem Pistengerät mit Kabine von St. Oswald aus nach oben zu fahren. (Weitere Infos: https://kartitscher-liftgesellschaft.jimdo.com/specials).
Der einzige Wermutstropfen der Tour auf den Dorfberg bleibt das Abfahrtsgelände, das man eigentlich nur im oberen Bereich findet. Fazit: Bei dieser Tour kommt definitiv der Erholungswert nicht zu kurz.
Aber auch das muss mal sein. (flex)